Sie lesen die Ausgabe: Bernecker Daily vom 30.10.2023

Nr. 303/23 Bernecker Daily

Bernecker Briefkopf
Actienboerse Briefkopf

Bar bleibt!

Guten Morgen, meine Damen und Herren,

diese Woche bringt die zweite Welle von Ergebnissen mit unterschiedlicher Wirkung. Am Mittwoch ist die Fed dran, am Donnerstag präsentiert der letzte große Tech-Bolide, APPLE, seine Ergebnisse. Das Ganze nach immerhin fast 10 % Korrektur des S&P gegenüber dem alten Rekord. Reicht das? Die Bodenbildung der Indizes verläuft jedenfalls im turbulenten Herbst nicht unproblematisch, aber spannend. Wir bleiben vorerst in der Barposition. 

SIEMENS ENERGY

 Joe Kaeser als AR-Chef von SIEMENS ENERGY bestätigt unsere Sichtweise vom Freitag. O-Ton: „Das Unternehmen benötigt erkennbar kein Geld vom Staat.“ Es geht lediglich um Garantien. Zwischen den Zeilen spricht der AR-Chef von einer notwendigen Konsolidierung des Windenergiesektors, um Profitabilität zu ermöglichen. Auf die fragwürdigen Entscheidungen des ehemaligen SIEMENS-Chefs kommt es an. Die Actien-Börse hatte dies frühzeitig dargestellt und ergänzt im nächsten Brief. 


FUCHS

Bei FUCHS läuft es wie geschmiert. Der Schmierstoff-Hersteller glänzt mit starken 9-Monatszahlen. Umsatz mit + 6 % auf knapp 2,7 Mrd. € sowie EBIT + 12 % auf 313 Mio. € können sich sehen lassen. Man kann die Preismacht ausspielen und verzeichnet eine solide Absatzentwicklung in allen Regionen. Entsprechend hat man die Jahresprognose für den operativen Free-Cashflow von 300 auf 380 Mio. € deutlich angehoben. Die Jahresziele für Umsatz und EBIT (3,6 Mrd. € und 390 Mio. €) wurden bestätigt. Diese unterstellen kein Wachstum in Q4, was entsprechend konservativ einzuschätzen ist. Die Aktie konnte am Freitag gegen den Markttrend zulegen, KGV 13 für kommendes Jahr erscheint günstig. Technisch ist die Aktie aber zwischen 28,50 und 32,00 € im Seitwärtstrend festgefahren. Wir warten ein klares technisches Signal ab.


SECUNET

SECUNET wird in den Boden gerammt. - 28 % auf Xetra-Schluss per Freitag. Als deutscher Cyber-Security-Star erreichte der Titel 2021 sein Top bei 608 €. Das Unternehmen ist der wichtigste Lieferant von Hochsicherheits-IT-Technologie für den deutschen Staat (z. B. Behörden, Militär, Polizei). Da diese Produkte eine geopolitische/militärische Dimension haben, hat der deutsche Staat auch ein Vetorecht im Falle einer Übernahme durch ein ausländisches Unternehmen. Jetzt folgt die Gewinnwarnung: Umsatz + 8 % auf 375 Mio. € für 2023 (Konsens um 380 Mio. €) und ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von etwa 42 Mio. € (bisher erwartet 50 Mio. € nach 47 Mio. € 2022). Veränderungen im Produktangebot, darunter ein erhöhter Anteil an Handelswaren und ein niedrigerer Anteil an Lizenzen und Services, sind Gründe für die Gewinnwarnung. Dazu kommen Investitionen in Personal und Produktportfolio zu steigenden Kosten. Der Vorstand erwartet, dass diese Effekte das Geschäftsjahr 2024 gleichermaßen beeinflussen werden. Somit: Grundsätzlich ist die Story intakt. KGV 27 für 2024 sind ambitioniert. Wir pokern auf Kaufkurse um 110 €.  

AURELIUS

AURELIUS vor Kauf von The Body Shop? Die brasilianische NATURA & CO hatte die britische Kosmetikkette im August zum Verkauf gestellt. Laut Sky News und Reuters verhandelt NATURA mit der deutschen AURELIUS (Private Equity) als inzwischen einzigem Interessenten. Reuters berief sich auf einen nicht genannten Informanten aus dem Umfeld der Verhandlungen. Es werde erwartet, dass man für Body Shop nicht die 400 bis 500 Mio. GBP (460 bis 575 Mio. €) erreicht, die zuvor in den Medien genannt wurden. Die 1976 gegründete Kosmetikkette war 1984 erstmals an die Börse gegangen, 2006 bis 2017 gehörte sie zu L’ORÉAL. Zurzeit besteht kein Handlungsbedarf.


SANOFI

SANOFI ist ein weiterer Beleg für die psychische Verfassung des Marktes. Am Freitag wurde glatte 20 Mrd. € Börsenwert oder 20 % der Marktkapitalisierung ausgelöscht. Zunächst: Für das laufende Jahr bleibt es bei dem Ziel, den auch um Währungseffekte bereinigten Gewinn je Aktie um einen mittleren einstelligen Prozentsatz zu steigern. Aber: Wegen einer hohen Steuerquote und steigender Investitionen in Forschung und Entwicklung steht nun ein Rückgang des Gewinns je Aktie im niedrigen einstelligen Bereich auf der Agenda. SANOFI will seine Sparte für nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel ab Ende 2024 an die Börse bringen. Dahinter steht die Strategie, mehr in die Entwicklung von Immunologie- und Entzündungsmedikamenten zu investieren, um langfristig die Margen hochzufahren. Dafür wird 2024 und 2025 auf Marge verzichtet. Lag zuvor das KGV bei einem Kurs von 102 € bei 13,8 für 2024, beträgt es nun unter Berücksichtigung der neuen Aspekte bei einem Kurs von 82 € rd. 13,3. Das rechtfertigt einen Kauf. 

PHOENIX MECANO

PHOENIX MECANO: Betriebsgewinn soll zulegen. Der Schweizer Spezialist für Gehäusetechnik verzeichnet für die ersten drei Quartale auf Frankenbasis einen Umsatzrückgang um 1 % auf 600,6 Mio. €. In Lokalwährungen ergab sich allerdings ein Umsatzplus von 5,6 %. Der Auftragseingang verringerte sich von 620,6 auf 586,9 Mio. €. Der Gewinn beläuft sich auf 34,1 Mio. €, eine Zunahme von 12,1 %. Der Vorstand will jetzt ein Aktien-rückkaufprogramm im Umfang von bis zu 30 Mio. CHF auflegen. Für das Gesamtjahr wird unverändert eine Steigerung des Betriebsergebnisses von mindestens 10 % angepeilt. Falls der Kurs von PHOENIX MECANO den Widerstand bei 376 CHF überwindet, ergibt sich eine abgeschlossene W-Formation, die eine charttechnische Trendwende signalisiert. 


STELLANTIS

STELLANTIS investiert in China. Der viertgrößte Autobauer der Welt erwirtschaftete im Jahr 2022 nur 1 % des Konzernumsatzes von 179,6 Mrd. € in China. Zum Vergleich: Bei VW entfielen 2022 18,4 % des Konzernumsatzes von 279,2 Mrd. € auf die Region Asien/Pazifik. Um diese offene Flanke zu schließen, will sich STELLANTIS für rund 1,5 Mrd. € mit rund 20 % am chinesischen Elektroautobauer Leapmotor beteiligen. Beide Unternehmen gründen außerdem ein Joint Venture für die Produktion und den Vertrieb von E-Autos außerhalb Chinas. Im hart umkämpften chinesischen Markt für Elektroautos ist Leapmotor derzeit die Nummer vier. Mit der durch den Einstieg erhöhten Präsenz auf dem wichtigen chinesischen Markt schließt STELLANTIS laut Konzernchef Tavares eine strategische Schwachstelle und stärkt zugleich die Schlagkraft der eigenen Elektrooffensive. Mit einem 2023er-KGV von 3 bleibt STELLANTIS attraktiv bewertet.

CHIPOTLE MEXICAN GRILL

CHIPOTLE MEXICAN GRILL: Kein Problem mit Ozempic. Die Imbisskette mit Ausrichtung auf mexikanische Gerichte fürchtet die Schlankheitspille nicht. CFO Jack Hartung geht davon aus, dass die Kundenzahl als Effekt der neuen Medikamente für Gewichtsreduktion mittelfristig sogar steigen kann. Patienten in Ozempic-Behandlung „machen sich wirklich Gedanken, was sie essen“. Sie würden daher CHIPOTLE aufsuchen, um dort „ganzheitliche Nahrung“ (wholesome foods) zu sich zu nehmen. Diese Annahme werde durch eine Studie gestützt. Die Zahlen zum Q3 wurden am Freitag belohnt (+ 4,5 %), da sie den Konsens übertrafen. Das vergleichbare Wachstum betrug 5 %, dies werde sich trotz erhöhter Verkaufspreise im Schlussquartal noch etwas beschleunigen, jedenfalls nach Ansicht des Managements. Im Jahr 2024 soll das Netz mit mehr als 3.300 Filialen um 285 bis 315 Standorte ausgebaut werden.


Gold

Gold steigt über 2.000 $. Erstmals seit Mai stieg das Edelmetall vorübergehend wieder über diese Marke, nachdem die Sorgen über den Konflikt im Nahen Osten zugenommen haben. Grund sind Ankündigungen weiterer Bodenaktivitäten des israelischen Militärs im Gazastreifen. Das Allzeithoch für das gelbe Metall liegt bei 2.075,47 $. Die Flucht in sichere Häfen läuft nicht wie üblich. Gold koppelt sich vom üblichen Sicherheits-Asset US-Treasuries ab, die durch die Bank nachgeben. Normalerweise laufen beide Klassen parallel. Entweder der Markt preist ein systemisches Risiko ein oder die Goldanleger liegen bei hoher Fallhöhe daneben.

IMPRESSUM

Hans A. Bernecker; Volker Schulz

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