Sie lesen die Ausgabe: Frankfurter Börsenbrief vom 26.10.2023

Nr. 43/23 Frankfurter Börsenbrief

Bernecker Briefkopf
Actienboerse Briefkopf

Zur aktuellen Marktlage


Festgefahren!

Die zwei politischen Konflikte sind es, die zwei geldpolitischen Konflikte ebenfalls. Ratlos stehen die Märkte, gemessen an den Indizes, auf der Stelle. Diese komplizierte Lage hatten wir bereits im August für den Oktober vorausgesagt. Bis auf den jüngsten Fall Nahost war dies richtig. Was nun?

Geopolitische Auseinandersetzungen sind in der Geschichte umfangreich als Vorbilder zu verwenden. Sie enden stets mit irgendeiner Art von Kompromiss, den man anschließend Frieden nennt, aber keiner sein kann oder sein will. Zum Israel-Krieg, wie er neuerdings genannt wird, hatten wir uns bereits geäußert. Der Ukraine-Krieg hat im Moment Mühe, in der westlichen Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Eine Zahl ist interessant: Die Deutschen kostete die Ukrainekrise bis jetzt 24 Mrd. Euro. Nur die Amerikaner haben deutlich mehr zugelegt. Die Deutschen sind also wieder einmal voll dabei. Im Israel-Krieg geht es um wahrscheinlich kleinere Beträge, aber ein zweistelliger Milliardenbetrag als humanitäre Hilfe wird schon herumgereicht. 

Der deutsche Wirtschaftsminister präsentierte am Dienstag seine Industriepolitik für das immerhin fünftgrößte Industrieland der Welt. Mit großen Worten, schönen Träumen, aber unrealistischen Zielen für die technische Umsetzung und Finanzierung. Das soll der Rahmen bis zur Abwahl in zwei Jahren sein. Die Amerikaner richten sich wirtschaftspolitisch bereits auf das Wahljahr ein. Große neue Pläne stehen nicht an. 

Was machen die Börsen daraus? Wenn sich in der Politik nichts tut, baut sich der nächste Trend nach einer Stagnation so auf, wie die Ergebnisse und Pläne für 2024 von den Firmen vorgelegt und verstanden werden. Microsoft und Alphabet waren die ersten unter den großen Adressen in dieser Woche. Microsoft gewann 13 % mehr Umsatz, 29 % im Cloud-Geschäft und verdient zweistellig. Darin liegen die Perspektiven.

Inhalt:

MTU : Das war‘s

Coca-Cola: Bewertung historisch niedrig

BioNTech: Jetzt wieder einsteigen?

Livent: Lithium-Star mit KGV 8

Eckert & Ziegler: Starke News am laufenden Band

Bloom Energy: Wasserstoff-Star mit KGV 11

Varta: Ist das die Trendwende?

Logitech: Das nächste Kaufsignal

John Bean: Wachstum im neuen Fokus

General Electric: Knapp 6 % fix bis 2026

Meinungen, Kombinationen, Spekulationen


MTU: Das war‘s

Bei MTU lagen wir mit der positiven Sichtweise im Anschluss an die Qualitätsprobleme bei Partner Pratt & Whitney richtig. Rd. 1.200 Triebwerke sind bekanntlich von einem Qualitätsmangel mit einem Metallpulver betroffen. RTX, die über ihre Tochter Pratt & Whitney am Getriebefan-Programm maßgeblich beteiligt sind, hat die Quartalszahlen veröffentlicht. Der entscheidende Satz aus dem Bericht: „Wir (...) erwarten, dass die finanziellen Auswirkungen den zuvor ausgewiesenen Belastungen entsprechen werden.“ Damit wird es auch bei der Belastung von rund 1 Mrd. € für den deutschen Triebwerksbauer MTU bleiben. Die Unsicherheit im Zusammenhang mit der Rückrufaktion sollte nun abflachen. Der Grundstein für einen Rebound ist gelegt. Die Aktie arbeitet auch technisch jetzt an der Trendwende. Unser bisheriges Kursziel von 230 € wir


Ähnliches gilt für unseren Vorgriff auf die Coca-Cola-Zahlen.

Der Schlankheitstrend durch die Fett-Weg-Spritze von Novo Nordisk beeinträchtigt den Limonadenhersteller in keiner Weise. Die Zahlen widersprechen in dieser Hinsicht der blühenden Fantasie mancher Analysten. In Q3 wurden beim Gewinn je Aktie (0,74 $) die Erwartungen um 7 % übertroffen. 12 Mrd. $ Umsatz sind 5 % besser als gedacht. Coca-Cola demonstriert auch weiterhin Preismacht. Man konnte die Preise im Schnitt um 9 % anheben. Dank der starken Zahlen hat Coca-Cola auch die Prognose für 2023 angehoben. Der Umsatz könnte um 10 bis 11 % zulegen, zwei Prozentpunkte mehr als bisher in Aussicht gestellt. Auf der Bewertungsseite ist die Aktie gemessen am langjährigen Durchschnitt günstig (siehe oben stehender Chart). Das 2024er-KGV von unter 20 liegt am unteren Ende des Bewertungsspektrums der zurückliegenden Jahre. Unser Kaufen-Votum ist damit nur zu bestätigen.


BioNTech: Jetzt wieder einsteigen?

BioNTech war der Star der Corona-Pandemie, doch Covid-Impfstoffe als Kurskatalysator sind Vergangenheit. Die neue Hoffnung ruht im Kampf gegen Krebs und hier kann man mit aktuellen Daten aus einer Phase I/II-Studie bei fortgeschrittenen soliden Tumoren mit dem mRNA-Impfstoff BNT211 gute Fortschritte zeigen. Der BioNTech-Impfstoff wurde dabei in Kombination mit einer CAR-T-Zelltherapie eingesetzt, eine neuartige Form der Immuntherapie. Der Impfstoff soll für eine verstärkende Wirkung der CAR-T-Zellen sorgen. CAR-T-Zellen sind wiederum körpereigene T-Zellen (Abwehrzellen), die durch gentechnische Veränderungen zu Tumorkillern werden. In der 44 Patienten umfassenden Phase I/II-Studie schrumpfte bei 59 % der Patienten der Tumor um mindestens 30 % und bei 95 % war die Erkrankung nach zwei Dosierungsstufen stabil. BioNTech bestimmt aktuell die ideale Dosierung, um voraussichtlich 2024 in eine Phase II-Studie überzugehen.

Der Fortschritt mit den Krebsimpfstoffen ist entscheidend für die Perspektive. Die aktuellen News stimmen entsprechend zuversichtlich, dass sich BioNTech eine neue Umsatzquelle mit Krebs-impfstoffen erschließen wird. Dafür ist der Weg aber noch lang, es müssen weitere Studienergebnisse entsprechend positiv ausfallen. Ist die Aktie dennoch bereits ein Kauf?

Knapp zwei Drittel des Börsenwertes von 21,7 Mrd. € sind mit Cash (14,2 Mrd. €) unterlegt. Damit ist die Bewertung für eine Biotech-Firma übersichtlich. In den vergangenen 12 Monaten flossen rd. 1,5 Mrd. € bei BioNTech in F&E. Rd. ein Drittel können die Mainzer durch die steigenden Marktzinsen allein aus den Zinserlösen decken. Es gibt nur wenige Biotech-Unternehmen, die eine derartige Finanzstärke haben. Eine erste Position lässt sich rechtfertigen. Weitere Zukäufe würden wir auf Kurse um 80/83 € limitieren.


Livent: KGV 8 lockt zum Einstieg 

Die Aktie des Lithium-Produzenten hat von ihrem Hoch bei 35 $ gut 50 % nachgegeben. Die Gründe dafür sind im Wesentlichen die Schwäche in der Automobilindustrie, die allgemeinen Rezessionssorgen und vor allem die Lithium-Preisentwicklung. Der Preis für den Rohstoff, der für den Hochlauf der E-Mobilität elementar ist, hat in den zurückliegenden Monaten massiv nachgegeben, was an zeitweise hohen Lagerbeständen lag. Der Preis wird vor allem von der Nachfrage aus China dominiert, sodass Bestellpausen der großen Batteriefertiger sich seit dem Jahreswechsel massiv auf die Preise auswirken. Vom Hoch 2022 hat der Lithium-Preis mittlerweile 75 % verloren, er scheint aber einen Boden zu bilden. 

Dass es einen Engpass mit der Rohstoffversorgung geben wird, darüber sind sich die Experten einig. Die Nachfrage soll sich laut Marktstudien bis 2030 fast verfünffachen. Die Herausforderung für die Lithium-Produzenten besteht darin, die Kapazitäten entsprechend dem Tempo der wachsenden Nachfrage durch den Bau von Batteriewerken aufzubauen. 

 


Die Analysten der Deutschen Bank werden auch aus diesem Grund bei Livent „bullish“ und haben die Aktie von „Halten“ auf „Kaufen“ hochgestuft.

Kursziel: 21 $. Das wären gut 30 % Kurschance. Die geplante Fusion mit der australischen Allkem wird Synergien und mehr Kapazität bringen. Die Genehmigung des Merger steht aber noch aus. Livent wird zudem für den lediglich 8-fachen Jahresgewinn per 2023 bewertet, was angesichts der Wachstumsperspektive schlicht zu günstig ist. Wir nehmen die Aktie daher wieder auf die Empfehlungsliste.

AKTIE DER WOCHE


Eckert & Ziegler:  Strom an guten Nachrichten

Unser Depotwert Eckert & Ziegler präsentiert eine gute News nach der nächsten. Die Tochter PentixaPharm soll entweder komplett verkauft oder abgespalten werden und separat an die Börse gehen. Die Berliner wollen sich auf das eigentliche Kerngeschäft forcieren und so die Stellung als Marktführer in Sachen Radioisotopen zur Herstellung von Strahlentherapien weiter festigen. Eine Entscheidung, wie mit PentixaPharm verfahren werden soll, soll bis spätestens März fallen. Das Interesse an PentixaPharm soll hoch sein.

Was ist PentixaPharm und warum ist das eine große Sache? Im April 2021 erwarb Eckert & Ziegler die Mehrheit der Anteile an PentixaPharm, einem Biotech-Unternehmen, das bösartige Erkrankungen durch molekulare Diagnostik und Therapie auf Basis innovativer Nuklearmedizin bekämpft. Eckert & Ziegler zahlte 30 Mio. € (davon ein Viertel in bar) für ca. 83 % der PentixaPharm-Anteile, während das Management des Unternehmens die restlichen 17 % behielt. PentixaPharm entwickelt ein innovatives Theranostik-Paar: PentixaFor (diagnostisch) und PentixaTher (therapeutisch). Dabei handelt es sich um kleine Radiopharmazeutika, mit denen bei einer Vielzahl bösartiger Erkrankungen, darunter hämatologische und solide Krebsarten sowie kardiovaskuläre Malignome, experimentiert wird. PentixaPharm stellte für Eckert & Ziegler zweifellos eine bedeutende langfristige Wachstumschance dar. Man konnte mit potenziellen Spitzenumsätzen von ca. 170 Mio. € für PentixaFor und ca. 1,8 Mrd. € für PentixaTher rechnen, allerdings absorbierte die Biotech-Tochter auch viel Kapital und Cash. Die Entwicklung von Arzneimitteln ist naturgemäß risikoreich und kostenintensiv. Die Studienkosten für die Phase III von PentixaFor werden auf 51 Mio. € taxiert, die für PentixaTher auf 120 Mio. €. Analystenseitig wird der Wert von PentaxiPharm bei 400 bis 450 Mio. € angesiedelt. Das sind 50 bis 60 % des Marktwertes.

Mit dem Fokus auf die Schwerpunktsparte Radioisotope sind die Berliner in der Lage, stärker in die bereits profitable Sparte zu investieren. Man stellt schon die meistgenutzten radiopharmazeutischen Quellen (Ga-68, Yt-90 und Lu-177) her und positioniert sich künftig auch als einer der ersten kommerziellen Hersteller von Actinium-225, einem vielversprechenden neuen Radioisotop. Die jüngsten M&A-Aktivitäten in der Branche legen nahe, dass das Interesse an Spezialisten für Strahlentherapien hoch ist. Der Markt geht aktuell in die Beschleunigungsphase über. Das Marktvolumen lässt sich bisher weitgehend auf die Nachfrage nach Ga-68 zurückführen, die entscheidenden Wachstumsmöglichkeiten mit gezielten therapeutischen Isotopen (Lu-177, Y-90, Ac-225) werden gerade erst erschlossen. Entsprechend wird davon ausgegangen, dass der globale Radiopharmazie-Markt von rd. 6 Mrd. $ (2021) auf 35 Mrd. $ (2031) expandieren wird, was insbesondere am Wachstum bei therapeutischen Anwendungen liegt, deren Anteil per 2031 auf 25 Mrd. $ taxiert wird. Derzeit befinden sich 167 Projekte in der klinischen Entwicklung, die entweder auf Gallium-68, Lutetium-177 oder Actinium-225 basieren. Wird das genannte Marktpotenzial ausgeschöpft, sprechen wir von einem jährlichen Volumen für die Isotope Lu-177 und Ac-225 in Höhe von 875 Mio. $.

Die Aktie von Eckert & Ziegler hat das Zeug, zu einem Favoriten 2024 zu avancieren. Wichtige Weichenstellungen und Investitionen wurden weitgehend umgesetzt. Am Montag hat Kunde Novartis beim größten europäischen Krebskongress (Esmo) die Bedeutung von gezielten Strahlentherapien mit der Veröffentlichung von Daten zu Pluvicto (gegen Prostatakrebs) als Erstlinientherapie mit statistisch hochsignifikanten Daten deutlich gemacht. Das progressionsfreie Überleben, die Zeitspanne vom Beginn der Behandlung bis zum weiteren Fortschreiten der Erkrankung, beträgt im Vergleich zum Placebo mehr als das Doppelte (12 Monate). Beim Gesamtüberleben (die Studie ist noch nicht abgeschlossen) zeigt sich ebenfalls ein positiver Trend. Insider gehen davon aus, dass die präsentierten Daten bereits für eine Zulassung genügen, was letztlich auch Eckert & Ziegler als Lutetium-Lieferant Rückenwind geben würde. Die Aktie ist - auch im Hinblick auf die Abspaltung von PentixaPharm - aktuell zu günstig und bleibt ein Kauf.

USA


Bloom Energy:  Wasserstoff-Fantasie für KGV 11

Den Bereich Wasserstoff muss man wieder in den Blickpunkt rücken. In den USA hat das Energieministerium sieben Wasserstoff-Hubs ausgewählt, um Verhandlungen für 7 Mrd. $ an Fördermitteln im Rahmen des US-Infrastrukturgesetzes zu beginnen. Zudem wurde ein Steueranreiz gesetzt. Es gibt eine neue Steuergutschrift für die Wasserstoffproduktion. Abhängig von der Kohlenstoffintensität bei der Fertigung sind zwischen 1 und 3 $ je produziertem Kilogramm Wasserstoff als Steuergutschrift geplant. Einer der Top-Profiteure ist Bloom Energy, der bereits mehrmals thematisiert wurde. Bloom Energy hat von Festoxid-Brennstoffzellen bis hin zu Elektrolyseuren alles im Angebot, was für den kompletten Prozess für die Produktion und Umwandlung von Wasserstoff in Energie vonnöten ist. Die Plattformlösung mit Festoxid-Brennstoffzellen-Stromgeneratoren (Bloom Energy-Server) steht für 95 % der in den USA installierten stationären Brennstoffzellen. Das untermauert den technologischen Vorsprung. Ohnehin zählen die Elektrolyseure von Bloom Energy mit einer rd. 25 % höheren Effizienz gegenüber Niedertemperatur-Elektrolyseuren zum Gold-Standard. 


Mit Series 10 hat Bloom Energy ein neues Angebot für die dezentrale Energieversorgung für Industriekunden lanciert.

Über 5-Jahresverträge können sich die Kunden garantierte 10 MW Leistung für einen pauschalen Strompreis von 9,9 Cent sichern. Eines der besten Verkaufsargumente sind die wachsenden Ausfallzeiten der Stromnetze in den USA. Vor diesem Hintergrund ist man auch Profiteur des KI-Hypes mit Lösungen für Rechenzentren. Neben der unterbrechungsfreien Stromversorgung sind das zum Beispiel Kraft-Wärme-Kopplungslösungen, mit deren Hilfe die Abwärme zur Reduktion des Energieverbrauchs genutzt wird. 

Die Jahresprognose von 1,4 bis 1,5 Mrd. $ steht, obwohl man im zweiten Quartal die Prognosen leicht verfehlt hatte. Entscheidend ist die Langfristperspektive: Mit „Bloom2Zero“ will man bis 2031 im Schnitt um 30 - 35 % auf 15 bis 20 Mrd. $ Umsatz wachsen (siehe Grafik). Per 2025 liegen die Analystenerwartungen bei 2,5 Mrd. $, dann wird Bloom Energy beim Gewinn auf bis zu 1,24 $ je Aktie geschätzt - beim aktuellen Kurs von 11,75 $ würde das KGV dann einstellig. Die Zeit ist reif, um bei Bloom Energy wieder in Stellung zu gehen. Am 3. November kommen die Q3-Zahlen, vor diesem Hintergrund bietet sich eine kleine Position jetzt und der Rest im Nachgang an.

EUROPA


Varta: Ist das die Trendwende?

Der Batteriehersteller Varta sorgte zum Wochenbeginn für Furore, als die Aktie um mehr als 6 % nach oben schoss. Auslöser war ein Interview des CEO Markus Hackstein. Er hatte erklärt, dass ein wichtiger Abnehmer von Akkus für Minikopfhörer nun wieder beliefert werden würde. Natürlich wurde daraufhin im Markt heftig darüber spekuliert, wer denn dieser Kunde sei. Häufig genannter Name war dabei Apple, die bislang Akkus für die Airpods bei Varta kauften. Das wäre durchaus ein lange fälliger Lichtblick, nachdem das Unternehmen im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht war und trotz umfangreicher Sparmaßnahmen wohl auch Ende dieses Jahres einen Verlust ausweisen wird. Jetzt macht Varta immerhin auf Optimismus und ließ erklären, dass die Durststrecke vorbei sei, was impliziert, dass man für das nächste Jahr einerseits signifikante Umsatzsteigerungen erwartet, andererseits womöglich auch wieder schwarze Zahlen schreiben könnte. 

Dennoch: Es bleibt Vorsicht geboten. Denn die Aktie von Varta ist dermaßen runtergeprügelt worden, dass ein paar Gewinntage sicherlich noch keine Trendwende signalisieren. Streng genommen würde das erst oberhalb von rund 35 € technisch gelten. Aktuell ist uns die ganze Angelegenheit noch zu heiß und ein Engagement sei nur sehr risikobewussten Anlegern vorbehalten. Wir werd


Logitech: Nächstes Kaufsignal

Ein handfestes Kaufsignal liefert die Schweizer Logitech. Denn der Hersteller von Computer-Peripheriegeräten hat trotz weiter sinkender Umsätze im zweiten Fiskalquartal deutlich mehr verdient als zuvor prognostiziert. Dies insbesondere als Effekt aus vorangegangenen Kostensenkungen. So schrumpfte zwar der Umsatz im Berichtszeitraum von Juli bis September um 8 % auf 1,06 Mrd. $. Im Gegenzug erhöhte sich der operative Gewinn auf Basis EBIT um stattliche 23 % auf 156,6 Mio. $. Das gab dann auch noch den Impuls, dass Logitech seine bisherigen Jahresprognosen anhob. So rechnet man nun mit einem Umsatz zwischen 4 - 4,15 Mrd. $ (vorher 3,8 - 4,0 Mrd. $). Das bereinigte EBIT soll zwischen 525 - 575 Mio. $ liegen. Hier war bislang mit 400 - 500 Mio. $ gerechnet worden. Interessant hierbei die Entwicklung in den einzelnen Produktsparten. Während es beim Gaming-Zubehör nochmals um 12 % nach unten ging, konnte sich der Umsatzschwund bei Tastaturen auf 3 % verringern und bei Computer-Mäusen gab es sogar ein leichtes Plus von 3 %. Das lässt die Spekulation wachsen, dass es mit Sicht auf das kommende Jahr generell bei Computern wieder zu einer positiven Trendwende kommen könnte. 

Für Logitech gilt: Die Aktie markiert mit dem Ausbruch über die Marke von 65 CHF ein weiteres Kaufsignal, weshalb wir unsere bisherige Empfehlung erneut bestätigen.

Anleihen, ETFs & Co


JBT: Besser fokussiert

Der US-amerikanische Anlagenbauer John Bean Technologies (JBT) ist künftig stärker fokussiert. Der mittelgroße Konzern mit Sitz in Chicago hat seinen Nebenbereich AeroTech verkauft und verfügt nun über 1,2 Mrd. $ Liquidität, um im Kerngeschäft weiter zu expandieren: Der Fokus richtet sich auf Anlagen für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Dort hat JBT sich einen sehr guten Ruf erarbeitet und allein von 2015 bis 2022 fast 20 Zukäufe gestemmt, darunter auch deutsche Mittelständler. 2022 war es die deutsche Alco-food-machines aus NRW, die u. a. Anlagen zur Proteinherstellung bzw. zur Produktion von Fleischalternativen baut. In dieser Woche hat JBT mit 1,11 $ Gewinn je Aktie die Erwartung für das Q3 um 12 Cent geschlagen. Der Umsatz lag mit 403,6 Mio. $ (- 25,6 %) hinter dem Vorjahresquartal. CEO Brian Deck betonte die gute Entwicklung beim Auftragseingang, er sieht Anzeichen für eine Verbesserung der Nachfrage in Europa und Asien. 


Die JBT-Aktie ist eher ein Langläufer, wurde aber in der Pandemie auf fast 178 $ hochgetrieben. 3,1 Mrd. $ Börsenwert stehen 2023 rd. 1,7 Mrd. $ Umsatz gegenüber. Ein KGV um 23/24 erscheint ambitioniert, relativiert sich aber, da knapp die Hälfte der Umsätze wiederkehrenden Charakter hat. Unsere Kaufbasis beträgt 90 $ (85 €). 


General Electric:  Höhere Erwartungen

General Electric hat erneut mit seinen Quartalszahlen überzeugen können. Nachdem zum Jahresbeginn GE Healthcare abgespalten wurde, soll im 2. Quartal 2024 die Energiesparte GE Vernova folgen. Das Luftfahrtgeschäft wird dann unter dem Namen GE Aerospace die bisherige GE-Notierung weiterführen. Entsprechend gespannt war der Markt auch, was zu den neuen Zahlen zum Kerngeschäft gesagt wird. Und da zeigte sich GE optimistisch. Insbesondere eine höhere Nachfrage nach Aftermarket-Dienstleistungen und Ersatzteilen hat das Ergebnis beflügelt. So verdiente GE 0,82 $ je Aktie statt erwarteter 0,56 $. Gleichzeitig hob man die Prognose für das laufende Jahr auf 2,55 - 2,65 $ je Aktie an (vorher 2,10 - 2,30 $). Das ist auch eine Steilvorlage für den Bond-Bereich. Allerdings sind die Fälligkeitsrenditen und Coupons nicht so attraktiv für Zinsjäger, was sich von der sehr guten Bonität von BBB+ (Standard & Poor‘s) ableiten lässt. Dennoch gibt es einige interessante Papiere, so beispielsweise noch von der alten Finanztochter GE Capital, für die GE auch noch garantiert. So gibt es hier eine variabel verzinste Anleihe mit Laufzeit bis Mai 2026. Aktueller Coupon sind 6,011 %, was eine Fälligkeitsrendite von derzeit geschätzt 5,91 % ergibt. Diese Anleihe würden wir als Beimischung in ein entsprechendes Depot empfehlen.

KONSERVATIVES MUSTERDEPOT


Netflix läuft endlich an

Bei Netflix waren wir mit dem Einstieg etwas zu früh, doch es geht in die richtige Richtung. Die Umstellung der Abo-Sharing-Politik wirkt. Man verzeichnete im vergangenen Quartal einen kräftigen Schub. Die Kundenzahl stieg um 8,76 Mio. an, sodass Netflix zum Quartalsende auf 247,15 Mio. zahlende Kunden kam. 
Der Umsatz des Streaming-Pioniers kletterte im abgelaufenen Quartal um 8 % gegenüber dem Vorjahr auf 8,54 Mrd. $. Der Gewinn zog um knapp 20 % auf 1,68 Mrd. $ an. Der Ausblick auf weitere Aktienrückkäufe und vor allem die Rückkehr zu steigenden Abo-Zahlen sorgten für einen Kursschub. Die Aktie nähert sich wieder unserem Einstiegskurs.

Depot:


SPEKULATIVES MUSTERDEPOT

Die Schweizer Großbank UBS hat die Einstufung für Netflix nach den Quartalszahlen mit „Buy“ und einem Kursziel von 500 $ bestätigt.

Technisch gesehen braucht die Aktie für den Anlauf auf ein neues Hoch einen Ausbruch aus dem Abwärtstrendkanal. Da der Wert zu den Top 25 im Nasdaq 100 zählt, sind - trotz des schwachen Gesamtmarktes - im Zuge von Window-Dressing-Aktivitäten zum Jahresende durchaus Impulse zu erwarten.  

Depot:


EMPFEHLUNGSLISTE

Teil I:


Teil II:


IMPRESSUM:

Redaktion:

Markus Horntrich (verantwortlich),

Carsten Müller,

Helmut Gellermann

Verlag: Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH, Schiessstr. 55, 40549 Düsseldorf;
GF: Michael Hüsgen, AG Düsseldorf HRB 88070

Abo-/Leser-Service: Bernecker Börsenbriefe, Westerfeldstr. 19, 32758 Detmold,
Tel.: 0211.86417-40, Fax: -46, Mail: abo@bernecker.info

Der Frankfurter Börsenbrief erscheint wöchentlich. Vervielfältigung und Weiterverbreitung sind nicht erlaubt. Kein Teil darf (auch nicht auszugsweise) ohne unsere ausdrückliche vorherige schriftliche Zustimmung auf elektronische oder sonstige Weise an Dritte übermittelt, vervielfältigt oder so gespeichert werden, dass Dritte auf sie zugreifen können. Jede im Bereich eines gewerblichen Unternehmens veranlasste (auch auszugsweise) Kopie, Übermittlung oder Zugänglichmachung für Dritte verpflichtet zum Schadensersatz. Dies gilt auch für die ohne unsere Zustimmung erfolgte Weiterverbreitung. ALLE RECHTE VORBEHALTEN. Der Inhalt ist ohne Gewähr. Alle Informationen beruhen auf Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Sie dienen der aktuellen Information und journalistischen Veröffentlichung ohne letzte Verbindlichkeit; die Informationen stellen insbesondere keine individuelle Beratung oder Empfehlung dar und begründen keine Haftung. Die vergangene Entwicklung besprochener Finanzinstrumente ist nicht notwendigerweise maßgeblich für die künftige Performance. Risikohinweis: Alle Börsen- und Anlagegeschäfte sind grundsätzlich mit Risiken verbunden. Verluste (bis hin zum Totalverlust) können nicht ausgeschlossen werden. Der Leser sollte die von den Banken herausgegebene Informationsschrift „Basisinformationen über Wertpapiere und weitere Kapitalanlagen“ sorgfältig gelesen und verstanden haben. Weitere rechtliche Hinweise finden Sie auf unserer Internetseite www.bernecker.info unter RECHTLICHES > Impressum / AGB. Gewinn- und Dividendenschätzungen bei Aktien beruhen (außer bei anderslautender Kennzeichnung) auf Angaben von Bloomberg bzw. FactSet. Angaben zu der Aktien-Marktkapitalisierung deutscher Unternehmen basieren im Regelfall auf Angaben der FactSet Digital Solutions GmbH, Bloomberg oder eigenen Berechnungen. Kurs-Charts werden zum Großteil mit Unterstützung von Tai-Pan erstellt. Infos: https://tai-pan.lp-software.de/bernecker. Layout-Bilder: Adobe Stock.