Sie lesen die Ausgabe: Frankfurter Börsenbrief vom 27.01.2022

04/22 Frankfurter Börsenbrief

Bernecker Briefkopf
Actienboerse Briefkopf

Zur aktuellen Marktlage:


Was mit einer Sektorrotation von Growth zu Value seinen Anfang nahm, wurde zu einer ausgeprägten Bullen-Markt-Korrektur.

Der Ansteig der Anleiherenditen hat einen breiten Risikoabbau an den Aktienmärkten verursacht, bei dem vor allem teure Tech-Aktien und Wachstumswerte in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der entsprechende Zusammenhang lässt sich am Chart der Woche ablesen. Steigende Zinsen und Wachstumssorgen in der Konjunktur gepaart mit geopolitischen Risiken sind kein Umfeld für breit angelegte Investments.


Bemerkenswert ist, dass sich die europäischen Aktienmärkte besser halten als die US-Pendants.

Das dürfte vor allem daran liegen, dass Europa einen höheren Value-Anteil respektive geringeren Tech-Anteil hat und insgesamt eine günstigere Bewertung aufweist. In den nächsten Tagen wird deutlich, wie der Markt auf die Pläne der Fed reagiert. Die EZB folgt in der kommenden Woche, große Impulse sind allerdings nicht zu erwarten.

Die Indizes sind noch im Korrekturmodus. Es ist anzunehmen, dass die Korrektur noch nicht vorbei ist nach minus 12 % vom Hoch beim S&P 500 bzw. 8 % beim DAX. Bei Letzterem ist die Marke bei 15.000 Punkten entscheidend. Fällt sie, geht es Richtung 14.000 Zähler. Beim S&P 500 ist der Aufwärtstrend Geschichte. Eine technische Erholung ist denkbar, aber für eine Entwarnung reicht es markttechnisch noch lange nicht.

Wir bleiben vorerst bei unserer defensiven Sichtweise für den Gesamtmarkt. Wer Cash hat, behält es auf der hohen Kante, es wird noch günstigere Chancen geben.

Inhalt:

Inflationsparadoxon
BIP entscheidet über Teuerung 

BioNTech
Jetzt Chance nutzen?

Berry Global
Gut verpackt ins Depot

Kimberly-Clark    
Defensiver Dauerbrenner

Jerónimo Martins
„Go east“ schafft Fantasie

KSB

Neuer Schub

Musterdepot konservativ
Neuzugang: Kauflimit erfolgreich

Musterdepot spekulativ
Hoffnung auf Markterholung

ETF & Co
Gold heiß begehrt

MARKT


Inflation ist zentrales Thema

Die aktuelle Inflationsentwicklung ist das zentrale Thema und erreicht nun vermehrt auch die Talkshows. Vor allem die Energiepreise treiben die Verbraucherpreise. Die Forderungen an die Politik, gegenzusteuern, scheitern an der Kompetenz des Personals, darauf zu hoffen bringt nichts. Wir blicken daher auf einen Zusammenhang, der sich besser kalkulieren lässt, nämlich zwischen BIP-Entwicklung und Inflation. Mit Zeitverzug (im unten stehenden Chart ein Jahr) folgt die Inflation dem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts.

Die Entwicklung ist fast deckungsgleich, was auch plausibel ist. Höheres Wachstum - mehr Beschäftigung, höhere Nachfrage - steigende Preise. Der Zusammenhang zwischen BIP und Inflation wurde allerdings 2020/21 ausgehebelt. Warum? Das Bild ist durch das Helikoptergeld in Form von Corona-Schecks in den USA verzerrt. Teilweise hatten US-Bürger durch die Schecks mitunter mehr Geld zur Verfügung als durch ihre Jobs. Dieser externe Stimulierungseffekt hat das übliche Muster zunichtegemacht. Angesichts der auslaufenden Effekte und vor allem der abnehmenden Dynamik in der Konjunkturentwicklung wäre perspektivisch eine „Normalisierung“ der Inflation die Konsequenz.


Zumal der Internationale Währungsfonds seine Prognosen für das Weltwirtschaftswachstum teils deutlich nach unten revidiert hat.

Der IWF prognostiziert in dem Update zum World Economic Outlook (WEO) eine Zunahme der globalen Wirtschaftsleistung in diesem Jahr von 4,4  %. Noch im Oktober lag die Erwartung bei einem Plus von 4,9  %. 2021 hatte die Wachstumsrate bei 5,9  % gelegen - nach dem Einsturz um 3,1 % im Coronajahr 2020.

Positiv für Aktien ist in diesem Zusammenhang, dass das Vorgehen der Notenbanken hinsichtlich der Zinsschritte entsprechend vorsichtig sein dürfte.
Aktien an sich können sowohl im inflationären Umfeld als auch bei steigenden Renditen grundsätzlich überzeugen. Selbst mit Renditen von um 2 % könnte der Markt gut leben. Umso mehr, da die Bewertungen deutlich zurückgekommen sind.


Bewertung lässt wieder Spielraum

Das KGV etwa für den S&P 500 ist durch die Kernschmelze an den Märkten deutlich zurückgekommen, und zwar von 21,5 auf 19,5. Die laufende Berichtssaison dürfte den Markt vorbehaltlich der Firmenausblicke eher stützen. Trotz eines starken BIP-Wachstums im 4. Quartal gehen die Konsenserwartungen von einem Rückgang des S&P 500-Gewinns je Aktie um 3 % im Quartalsvergleich aus. Das schafft Spielraum für positive Überraschungen. Aber: Unter dem Strich werden 2022 kleinere Brötchen gebacken, wie eine Analyse von Goldman Sachs zeigt. In Zeiten abnehmender Wachstumsdynamik und steigender Renditen hat der S&P 500 im historischen Schnitt um 8 % zugelegt.

USA


BioNTech: Chance nutzen?

Die Pandemie nähert sich dank Omikron dem Ende. Das ist zumindest das, was man vom BioNTech-Kurs augenscheinlich ablesen kann. Der hat vom Hoch im August 2021 gut zwei Drittel verloren. Die Überlegung dahinter ist klar: Bei einer Endemie werden weniger Impfstoffe benötigt, die jetzt noch Umsatz- und Ergebnistreiber sind.
 
Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass die Umsätze aus dem Corona-Impfstoffgeschäft einbrechen werden. Wie hoch dieser Einbruch sein wird, lässt sich nicht vorhersehen. Jede neue Mutation kann die Rechnung dazu über den Haufen werfen. Im Grunde ist es auch nicht mehr entscheidend, der Markt hat vieles bereits eingepreist. Man kann davon ausgehen, dass die Geschäfte mit Comirnaty im laufenden und teils auch im kommenden Jahr noch gut laufen werden. Nach 17,4 Mrd. $ Umsatz 2021 werden für 2022 nur 15,9 Mrd. $ und für 2023 nur noch 10 Mrd. $ erwartet. So weit die Analysteneinschätzungen. Man kann auch davon ausgehen, dass per Ende 2022 bei BioNTech rund 20 Mrd. $ Cash in der Kasse liegen werden. Ist dafür ein Börsenwert von knapp 32 Mrd. $ gerechtfertigt, der immerhin zum Großteil mit Cash unterlegt sein wird?

Die Zukunft von BioNTech liegt nicht im Corona-Impfstoff. Das lag sie im Grunde noch nie. Entscheidend ist der Erfolg oder Misserfolg mit der umfangreichen Pipeline von 22 Onkologie-Projekten. Die meisten basieren auf der aus dem Corona-Impfstoff bekannten mRNA-Technologie. „FixVac“ etwa wird zur Behandlung des fortgeschrittenen Melanoms (Phase II) oder von Eierstock- und Prostatakrebs (Phase I) entwickelt. „iNeST“ richtet sich gegen Darmkrebs (Phase I). Dazu kommt eine Reihe an Projekten zur Behandlung von Infektionskrankheiten. „FixVac“ wurde von der FDA mit dem Fast Track-Status bedacht und ist damit einer der aussichtsreichsten Pipelinekandidaten. Im Gegensatz zu Wettbewerber Moderna, dessen Pipeline ausschließlich auf mRNA-Technologie basiert, verfügt BioNTech über weitere Technologieplattformen zur Wirkstoffentwicklung. Neben mRNA setzt BioNTech auch auf Antikörper, Zelltherapie und eine Small Molecule Immunomodulators (SMI)-Plattform. Man sollte allerdings kurzfristig nicht zu viel erwarten, die Pipeline befindet sich insgesamt in einem relativ frühen Stadium.


Die BioNTech-Aktie notiert nach dem deutlichen Rückgang auf dem Niveau vor Start der Impfkampagne.

Aus technischer Sicht - die Aktie notiert am unteren Ende des Abwärtstrendkanals - bietet sich eine Trading-Position an, mehr aktuell aber nicht. Wir raten zudem dazu, einen relativ engen Stop bei 119 € zu platzieren.


Berry Global packt die Welt ein

In direkter Verbindung zum Konsumsektor steht Berry Global. Das Unternehmen ist Spezialist für Kunststoffverpackungen und packt sprichwörtlich alles ein, was man sich vorstellen kann. Das reicht von Nahrungsmitteln über Hygieneartikel bis hin zu medizinischem Zubehör. Das Portfolio umfasst außerdem alle Arten von Kunststoffprodukten wie Eimer oder Folien bis zu Gewächshausplanen. Damit dürfte man in diesem Geschäftsjahr (seit Oktober 2021) einen Umsatz von rund 14,4 Mrd. $ machen. Beim Gewinn je Aktie liegt der Analystenkonsens bei 7,23 $, was zum Vorjahresergebnis ein Plus von knapp 25 % bedeuten würde. Dem steht ein geschätztes KGV für das laufende Geschäftsjahr von gerade einmal 9,2 gegenüber. Darauf aufbauend beträgt das Verhältnis von Marktkapitalisierung zu Gewinnwachstum nur das 0,6-Fache. Gleiches gilt auch für das Kurs-Umsatz-Verhältnis mit nur 0,7. Allerdings kommt diese niedrige Bewertung nicht ganz von ungefähr. Denn im historischen Vergleich lag zuletzt die Marge auf dem tiefsten Stand seit 2015. Entsprechend ist Berry Global derzeit Ziel gleich mehrerer aktivistischer Kampagnen, die Portfolioverkäufe wie auch ein höheres Aktienrückkaufprogramm, als es derzeit stattfindet, fordern. Fazit: Grundsätzlich bietet Berry Global ein sehr solides operatives Geschäft mit großen Chancen auf Bewertungsaufschläge an der Börse. Aktuell muss aber erst noch in der Markttechnik der bisherige Aufwärtstrend erneut bestätigt werden. Wir würden hier ein Limit bei 65 $ auslegen.


Kimberly-Clark: Absturz überzogen?

Knapp 10 % Verlust - das ist die Bilanz beim Konsumgüter-Hersteller Kimberly-Clark aus den letzten drei Handelstagen. Der Grund: Das Unternehmen, das vor allem für seine Hygieneartikel bekannt ist, lieferte bei seinem Quartalsbericht einen Ausblick, der enttäuschte. Dennoch: Aus dem technischen Absturz könnte sich eine interessante Chance ergeben. Inflation hin, Zinserhöhungen her, es ist kaum damit zu rechnen, dass Kimberly-Clark in den nächsten Monaten mit einer wesentlichen Nachfrageschwäche zu rechnen hat. So lag man im vierten Quartal mit einem Umsatz von 4,95 Mrd. $ rund 100 Mio. $ über den Erwartungen. Auch bei den organischen Wachstumsraten blieb man mit 3 % auf Konzernebene über den Prognosen von 2,1 %. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen 1,30 $ je Aktie, fünf Cent mehr als erwartet. Allerdings zeigte man sich auf Nettoebene deutlich schwächer als prognostiziert aufgrund gestiegener Kosten bei Materialien und Energie. Doch das sind Dinge, die an Einfluss verlieren sollten. So würden wir die schwächere Prognose für das Gesamtjahr, die mit 5,60 bis 6,00 $ je Aktie beim Gewinn unter dem Analystenkonsens von 6,74 $ liegt, unter Vorbehalt sehen. Der Kursabschlag sollte dafür vollkommen ausreichen. Charttechnisch könnte es dennoch dazu kommen, dass die Unterstützungszone bei rund 128/129 $ getestet wird. Bei 129 $ würden wir entsprechend versuchen, mit einem Limit zum Zuge zu kommen.

EUROPA


Jerónimo Martins mit Ost-Fantasie

Wir bleiben im Konsumbereich. Als spannende Spezialität ist uns dabei Jerónimo Martins aufgefallen. Diese verfolgt vom Geschäftskonzept Ähnliches, was wir früher bei der Metro gesehen haben, also die Kombination aus Einzel- und Großhandel. Und noch ein interessanter Fakt: Obwohl es sich hierbei um ein portugiesisches Unternehmen handelt, macht man nur knapp ein Viertel des Geschäfts im Heimatland. Der überwiegende Teil mit über 70 % wird in Polen erwirtschaftet, wo man mit der Marke Biedronka die größte Supermarktkette betreibt. Weitere Aktivitäten laufen in Kolumbien. Vor gut zwei Wochen gab es schon mal Umsatzzahlen für das vierte Quartal. Diese fielen mit 5,68 Mrd. € besser aus als erwartet (FactSet: 5,55 Mrd. €). Die Umsätze auf vergleichbarer Basis kletterten um 10,5 %, wobei nach Aussagen des Unternehmens auch die entsprechende Inflationsentwicklung durchaus willkommen war. Polen als Hauptmarkt bietet allerdings auch noch zusätzliche Impulse. So zeigte die polnische Wirtschaft in den letzten drei Quartalen eine sukzessive Verbesserung in der Wachstumsrate. Darauf aufbauend konnten im November 2021 (letzte verfügbare Zahlen) die Einzelhandelsumsätze den vierten Monat in Folge zulegen (aktuell 2,4 %). Fazit: Die Aktie ist mit einem geschätzten KGV von gut 24 für dieses Jahr nicht billig, allerdings sehen wir darin auch den Marktführer-Aufschlag für den polnischen Markt. Wir plädieren hier für den Aufbau einer ersten Position.


KSB: Schiebt Atomkraft wieder an?

Die Welt setzt weiter auf Atomkraft. Derzeit befinden sich weltweit 57 Atomreaktoren im Bau, weitere 102 sind geplant. Das wird insbesondere den deutschen Pumpenhersteller KSB freuen. Dieser gehört zu den Weltmarktführern bei Hauptkühlmittelpumpen, die in Kernkraftwerken zum Einsatz kommen. Der Anlagenbauer liefert aber auch Armaturen und Pumpen für zahlreiche andere Anwendungen und Branchen, beispielsweise in den Bereichen Heizungs- und Klimatechnik, in der Wasserversorgung, generell Gebäudetechnik, Bergbau oder Chemie. Dabei hat das Unternehmen erhebliche Blessuren in der Coronakrise 2020 hinnehmen müssen. Weniger im Umsatz, mehr in der Ertragskraft. Doch mit der Markterholung und Effekten aus Spar- und Effizienzprogrammen könnte die Profitabilität im letzten wie auch in diesem Jahr wieder deutlich angewachsen sein. Im Analystenkonsens wird mit einem Gewinn je Aktie von rund 34,50 € für letztes Jahr gerechnet, nachdem KSB im Vorjahr einen Verlust von 5,50 € je Aktie mitteilen musste. Für dieses Jahr wird mit einer weiteren Steigerung auf 42,50 € je Aktie kalkuliert. Dies korrespondiert mit einem geschätzten KGV von unter 11 und einer Umsatzbewertung von nur 0,3. Ein Grund, warum die Aktie in den jüngsten Turbulenzen eine relative Stärke zeigen konnte. Jetzt fehlt noch ein ordentlicher Impuls, um aus der jüngsten Plateau-Bildung herauszukommen. Wir setzen dabei auf die nächsten Zahlen Mitte März und platzieren aktuell ein Limit für eine Anfangsposition bei 355 €.

KONSERVATIVES MUSTERDEPOT


Daimler neu im Depot

Das Kauflimit für Daimler ist im Ausverkauf am Montag doch noch aufgegangen. Die Schwaben haben ihre Ambitionen bei der Roboterisierung der Fahrzeuge in einer Partnerschaft mit Luminar unterstrichen. Mercedes-Benz will sogenannte LiDAR-Sensoren von Luminar in einer neuen Fahrzeugplattform einsetzen. Derartige Sensoren sind für das Assistenzsystem im Fahrzeug elementar, um teil- und vollautonomes Fahren zu ermöglichen. Details zum Umfang und um welche Modelle es sich handelt, gab es nicht. Aber Mercedes steigt mit einer Minderheitsbeteiligung bei Luminar ein. Damit sichert man sich zumindest wichtige Sensorik für den Benz der Zukunft. Technisch sieht die Aktie gut aus, zumindest solange die Marke um 66 € nicht unterschritten wird. Die Aktie versucht sich aktuell an einer Erholungsbewegung.

Apple: Was bringen die Zahlen?

Nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe wird Apple die Zahlen für das Weihnachtsquartal präsentieren. Die Erwartungen für den Gewinn je Aktie liegen bei 1,90 $, was gegenüber dem Vorjahr einem Zuwachs von 13 % entsprechen würde. Beim Umsatz werden 119 Mrd. $ erwartet und damit 7 % mehr als im Vorjahr. Das sind trotz der Beeinträchtigungen durch Chip-Lieferengpässe eher vorsichtige Erwartungen. Zumindest beim Gewinn schnitt Apple in den letzten fünf Jahren immer besser als erwartet ab. Die Aktie ist nach dem jüngsten Abverkauf knapp an unserem Stop vorbeigeschrammt. Das Wochentief auf Xetra lag bei 139,24 €. Es bleibt abzuwarten, was die Zahlen bringen.


Depot:

SPEKULATIVES MUSTERDEPOT


Depot:

Der Einschlag beim spekulativen Musterdepot ist zu groß. Die beiden Neuzugänge Manz und Qualcomm liegen vom Start weg deutlich hinten, Silvergate Capital macht den Tech-Ausverkauf voll mit und leidet zusätzlich unter dem schwachen Kryptomarkt. Eine technische Gegenbewegung ist aber fällig. Wir platzieren dennoch einen Stop bei 74 €.


Manz mit positivem Newsflow

Bei Manz trudelte vergangene Woche ein neuer Auftrag aus dem Halbleiter-Sektor ein. Das Unternehmen aus Reutlingen hat einen Auftrag über 20 Mio. $ von einem führenden Halbleiter-Hersteller erhalten. Der Auftrag wird zu etwa gleichen Teilen 2022 und 2023 umsatz- und ergebniswirksam. Dabei geht es um Anlagen für das Fan-Out Panel Level Packaging. Bei diesem Chip-Packaging-Verfahren ist Manz der einzige Anbieter von schlüsselfertigen Produktionslinien. Aufträge wie diese ändern auch die Wahrnehmung von Manz als Chip-Profiteur. Angesichts des guten Newsflows und der günstigen Bewertung machen wir uns um die Aktie aus fundamentaler Sicht keine Sorgen. Bei Gewinnerwartungen von 2,33 Euro je Aktie für 2022 und 3,57 € für 2023 sinkt das KGV von 18 auf knapp 12. Das ist günstig.


TeamViewer Übernahmekandidat?

Ein munteres „Auf und Ab“ gab es zuletzt bei TeamViewer. Um den Spezialisten für Fernwartungssoftware ranken sich Übernahmespekulationen. Danach soll es im vergangenen Jahr Interessenten aus dem Private Equity-Universum gegeben haben. Teils war von Übernahmepreisen jenseits der 20 € die Rede. Das würde zu den aktuellen Kurszielen der Analysten passen: Die kanadische Bank RBC hat die Aktie kürzlich mit Outperform und Kursziel 25 € eingestuft. Wir bleiben investiert.

ETF-MUSTERDEPOT


Gold: Sicherer Hafen gesucht

Die geopolitischen Spannungen in Europa und der deutliche Rückgang der wichtigsten Aktienindizes haben eine Fluchtreaktion in Gold ausgelöst. Vergangene Woche ist der weltweite Bestand an börsengehandelten, mit physischem Gold hinterlegten Zertifikaten von 98,04 auf 98,96 Millionen Feinunzen gestiegen. Innerhalb eines Tages wurden somit die Abflüsse der vergangenen dreieinhalb Monate wettgemacht. In den größten US-Gold-ETF, den SPDR Gold Shares (WKN: A0Q 27V) als weltweit größtem börsengehandelten Goldfonds mit physischer Unterlegung, sind seit Jahresanfang rd. 2 Mrd. $ geflossen, davon allein Ende vergangener Woche rekordverdächtige 1,6 Mrd. $.

Die Stärke des Edelmetalls ist insofern überraschend, da die Zinsentwicklung eher gegen Gold spricht. Im Jahresverlauf ist angesichts der Zins- und Inflationserwartungen mit steigenden Realzinsen zu rechnen, was das Kurspotenzial von Gold eigentlich deckelt. Aber: Die charttechnische Ausgangslage ist durchaus vielversprechend. Die alte Widerstandszone um 1.834 $ je Unze liegt bereits hinter uns, das letzte Zwischenhoch bei rd. 1.870 $ ist die nächste technische Hürde. Im langen Chartbild zeichnet sich eine Untertasse als mögliche Trendfortsetzungsformation ab. Kurzfristig hängt der Kurs an Entscheidungen der Fed. Mittelfristig sind 2.000 $ wieder drin. Als Alternative zum genannten ETF bietet sich ein Investment im Xetra-Gold ETC (WKN: A0S 9GB ) an.


Depot:

Aufgrund des nun doch recht turbulenten Markt-umfelds ziehen wir auch im ETF-Depot die Stop-Absicherungen deutlich nach beziehungsweise neu ein. Lediglich beim jüngsten Neuzugang, dem US Biotechnology ETF von iShares verzichten wir vorerst auf einen Stop. Die größten Sorgenkinder sind der Wasserstoff-ETF - die Branche leidet mit am stärksten unter der Bewertungskorrektur - und der Uran-ETF. Beide sichern wir knapp unter den Wochentiefs ab, um weitere Verluste zu verhindern. Ähnliches gilt im Grunde für alle Depotwerte. Die Cash-Position von knapp 30 % behalten wir bei.

EMPFEHLUNGSLISTE


Teil 1:


Teil 2:


Kurzticker zur Empfehlungsliste:

Im Sell-off Anfang der Woche hat es einige Werte aus der Empfehlungsliste erwischt, bei denen der Stop ausgelöst wurde. Wir sind nicht in jedem Einzelfall glücklich darüber, insbesondere bei Neuempfehlung und Depotwert Qualcomm, die ohne Stop noch im Depot bleibt. +++ Auch bei Masterflex ist der Dip übertrieben bzw. der Käuferstreik im Nebenwertesektor ursächlich. Wie wir aus gut informierten Kreisen hören, dürfte das Q4 erneut gut ausgefallen sein. Die Bewertung ist ausbaufähig, in der Branche werden 10-fache EBITDA-Multiples bezahlt, auf Masterflex bezogen wären das Kurse zwischen 10 und 13 €. +++ Meta Platforms arbeitet an einem Supercomputer. Der AI Research SuperCluster (RSC) soll zu den schnellsten Rechnern der Welt gehören. Der Einsatz für neue KI-Modelle und Augmented-Reality-Tools zielt klar Richtung Metaverse.

IMPRESSUM

Redaktion:

Markus Horntrich (verantwortlich),

Helmut Gellermann,
Carsten Müller

Alle Empfehlungen, Limits, Stops des Frankfurter Börsenbriefs gelten beginnend für den Erscheinungstag der Digitalausgabe (in der Regel Donnerstag) auf unbestimmte Frist. Bei Empfehlungen ausländischer Werte raten wir bei geringer Liquidität an deutschen Börsen an der Heimatbörse zu kaufen.
Quelle Charts: Bloomberg

Verlag und Abo-Service: Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH, Theodor-Heuss-Str. 1, 32760 Detmold, Tel. 05231.983-145, Fax 05231.983-146

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