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Sie lesen die Ausgabe: Die Actien-Börse Institutionell vom 26.02.2022

Nr. 08/22 Die Actien-Börse Institutionell

Bernecker Briefkopf
Actienboerse Briefkopf

Sehr geehrte Damen und Herren,


die täglichen Marktverläufe enthalten zurzeit eine ungewöhnlich hohe psychologische Komponente.

Das ist vorerst nicht zu vermeiden, aber die Grundlage für neue Investments. Die Statements der Politiker offenbaren die mangelnde Erfahrung, wie man mit Russland umgeht. Kein berufstätiger Notenbanker hat andererseits je erlebt, wie umfangreich Geld zunächst gedruckt wird, um es anschließend wieder einzuziehen. Das sind in den nächsten Wochen die zentralen Größen. Stand heute:


Der Ukraine-Konflikt ist eine Zeitfrage.

Putin agiert, der Westen reagiert. Ein Rückblick auf die russische Außenpolitik ab 1962 genügt, die Konturen und die Art und Weise zu verstehen. Die Darstellung in den Medien und die Meinungen der Politiker heizen das Thema zusätzlich an und überhöhen es über die Wirklichkeit hinaus. Entsprechend nervös sind aus gutem Verständnis alle Beteiligten. Daraus entstehen Angst-Kurse als 1. Teil der Krise.

Die Notenbanken haben das Problem klar vor sich:
Die Fed erweiterte ihre Bilanzsumme um rd. 8 Bio. $ allein in den letzten zwei Jahren, dem umfangreiche Effekte sowohl am Aktienmarkt wie auch teilweise bei den Verbrauchern folgten. Rein rechnerisch gingen davon inzwischen etwa 4,5 bis 5 Bio. $ verloren. Noch weitere 2,5 bis 3 Bio. $ lassen sich schätzen. Etwa die gleiche Größenordnung erreichte die EZB mit geringerer Wirkung für die Aktienmärkte zugunsten der Finanzierung der bekannten Südstaaten. Die Wirkung ist die gleiche und Teil 2 der Krise.

Der Rückbau der Kreditpositionen an beiden Märkten ist erheblich. Er lässt sich nur schätzen. In New York sind rd. 1 Bio. $ an Kreditpositionen in Aktien abzubauen. Sie haben sich in 14 Jahren aufgebaut. Doch mit den Einschränkungen der Liquidität wird der Rückbau zwingend. Darin liegt ein rein technisches Problem. In Europa spielen diese Kredite keine so große Rolle, aber dafür sind umfangreiche Neuinvestoren mit fragwürdigen Positionen in den letzten zwei Jahren aktiv geworden, deren Verhalten in Zeiten unsicherer Märkte schwer zu greifen ist.

Entscheidend ist deshalb in den nächsten 2 Wochen das Timing. Alle brisanten Militärkonflikte der letzten dreißig Jahre waren davon gekennzeichnet: Im Vorfeld herrschten ungewöhnliche Nervosität und fallende Kurse. Doch mit dem ersten Schuss begannen die Kurse zu steigen. So im Kuwait-Krieg 1991 oder dem Irak-Krieg 2003, nicht anders als im Kuba-Konflikt 1962. Darin drückt sich die zitierte Nervosität am besten aus. Die Tech-Blase gehört als Klumpenrisiko dazu: Vor wenigen Monaten waren alle diese Titel die Lieblinge des Marktes. Jetzt sind sie die aktuellen Verlierer im erwähnten Umfang bis zu den nächsten Schnäppchenpreisen.

Ergebnis:
Die Blackbox war angesagt, wobei es bleibt. Eine umfangreiche Barreserve bis 40 % und sogar 50 % hatten wir thematisiert. So auch noch einmal in der TB-Daily in dieser Woche. Einziger Zweck: Reduzierung der Risiken und möglichst große Handlungsfähigkeit für den Moment, wenn die Märkte ihr Gleichgewicht gefunden haben.

LEITLINIE:


Wie viel Dynamik ist nötig, um die Bremseffekte aus steigenden Zinsen und weniger Notenbankgeld aufzufangen oder überzukompensieren?

Das ist der besondere Gegensatz in den nächsten Wochen.

Trotz Pandemie, Chipmangel und Lieferkettenproblemen steigt der Auftragsbestand der deutschen Industrie in geradezu sensationeller Form. Obwohl offenbar die Aufträge nicht ausreichend gut bearbeitet werden können, bleibt der Auftragsbestand stabil. Darin liegt die echte Produktionsleistung der kommenden Monate, wenn die genannten Probleme schrittweise überwunden werden. Die Differenz zwischen den zitierten Nervositäten und der Realität war selten so groß.

Die Steuern sprudeln. Die Umsatzsteuer legte im Januar um 29 % zu, im Vergleich zum Vorjahr um 44 %. Darin dokumentiert sich die grundsätzliche Stärke der Gesamtwirtschaft.

Der aktuelle ifo-Index belegt dies ähnlich. Für Februar werden 94,5 nach 95,7 im Januar genannt, was eine Stabilisierung andeutet. Das Verbrauchervertrauen bleibt dagegen im Minus. Auch hier spielt die Psychologie die wichtigste Rolle.


Die Ertragsqualität im DAX erreicht neue Rekorde.

Auch unter Berücksichtigung des erweiterten Kreises.

Weder die politischen Konflikte noch das monetäre Umfeld können die hohe Stabilität der Erträge wesentlich berühren.
Nur eine kurze Pause ist denkbar, wenn sich die Lieferbedingungen für alle Firmen vorübergehend verschlechtern. Für ein Industrieland wie Deutschland ist dies der wichtigste Aufhänger. Bezeichnend nach Aussage der Vorstände in Interviews und den Kapitalmarkttagen: Im Umbau der Konzerne und Unternehmen liegt die bedeutendste Dynamisierung.

Dagegen stehen die umfangreichen Korrekturen allein seit Anfang Januar für erste Adressen im DAX mit bis zu 25 %.
Aber bis 50 % für die meist kleineren Verlierer im MDAX und TecDAX.


Die bekannten internationalen Fondsmanager bekamen inzwischen kalte Füße.

Gemäß Umfrage der Bank of America (vom 04. bis 10.02.) ergibt sich folgende Einschätzung:

Die Kassenquote erreicht mit 5,3 % den höchsten Stand der letzten 24 Monate. Die Technologieaktien fallen auf den tiefsten Stand seit 2006. Größter Gewinner ist dagegen der Energiesektor, der seine Gewichtung von 10 auf 26 % ausweitet.

Die größten Risiken liegen lt. Umfrage in der Leitzinserhöhung (41 %), gefolgt von Inflationsangst (23 %).

10 % der Befragten rechnen mit steigenden Unternehmensgewinnen, erhöhen jedoch die Erwartungen nicht mehr.
Eher überraschend: Die Auswahl der Regionen nimmt zugunsten Europas im Gegensatz zu den USA zu.

SCHWERPUNKTE: CONTINENTAL und VW


Der dritte DAX-Konzern will sich selbst auflösen oder umbauen.

Nach Berechnungen von Experten werden dabei rechnerisch Vermögenswerte von 40 bis 45 Mrd. € gegenüber dem aktuellen Marktwert von 17,5 Mrd. € möglich. Wie das?

Das Manager Magazin macht in seiner März-Ausgabe die Rechnung auf und zitiert die Beteiligten: Danach soll CONTINENTAL in vier Firmen aufgeteilt werden. Die Größenordnungen entnehmen Sie der Grafik.

Strategisch macht das Ganze Sinn. Wie in anderen Fällen auch: Kleinere Firmen mit ganz speziellen Produktportfolios sind dynamischer zu führen und werden in ihrer Qualität im Markt auch richtig erkannt. Der größte Teil von CONTI wird danach das Reifengeschäft sein, die Urzelle des ganzen Konzerns. Rein rechnerisch ist Automotive etwas größer im Umsatz, aber deutlich schwächer im Ertrag. Lässt sich darauf jetzt schon ein Investment aufbauen?

Auf die tatsächliche Zuteilung der jeweiligen Einzelgesellschaften auf die aktuellen CONTI-Aktionäre wird es ankommen. Die Rolle der Familie Schaeffler ist von größerer Bedeutung. Stratege des Ganzen ist dagegen Wolfgang Reitzle, dem wir diesbezüglich die größte Erfahrung zuschreiben. Konkret: Die Basis für Käufe liegt erst bei 72/76 € für die nächsten vier Wochen.

VW bleibt zum dritten Mal in zwölf Jahren die brisanteste Wette im DAX. Das schrieben wir am 04.12. in AB 48/21. Der aktuelle Aufhänger lautet: PORSCHE soll an die Börse gebracht werden und damit sind 100 Mrd. € Gesamtwert für PORSCHE sowohl ein riesiger Buchgewinn für die Teile, die bei VW bleiben und ein ebenfalls gewaltiger Barertrag beim Börsengang. Über Quoten wird noch diskutiert. Doch zwischen 25 bis 30 Mrd. € werden als Minimum als Kassenertrag in Wolfsburg veranschlagt. Dem steht ein Marktwert von Volkswagen (Stämme und Vorzüge) von nur 74/78 Mrd. € gegenüber, wobei die Stämme einen deutlich höheren Kurs von 251 € gegenüber 192 € für die Vorzüge ausweisen. Die Bandbreite für Kurs-Korrekturen taxieren wir im Moment sehr gering ein: 170/177 € müssten als Auffanglimit klappen. Der bisherige Tiefstkurs im 52-Wochen-Vergleich lag bei 159,70. Das wäre ein Schnäppchenpreis.

SCHWERPUNKTE: MERCK KGAA und INFINEON


Die zwei erfolgreichsten DAX-Adressen des letzten Jahres verloren seit Anfang Januar beinahe 25 %.

Sie sind die besten Beispiele dafür, wie mit sehr guten Ergebnissen und gesteuertem Marketing Spitzenkurse erzielt wurden, die offenbar der Korrektur bedurften.

INFINEON präsentierte soeben die besten Ergebnisse seiner Geschichte.
Dennoch reduzierte sich der Marktwert um rd. 8,0 Mrd. € auf aktuell 40 Mrd. €. Die Ziele sind sehr präzise angegeben: Rd. 13 Mrd. € Umsatz in diesem Jahr führen zu einem Ergebnis von voraussichtlich 1,44 € je Aktie und einem KGV knapp über 21.
Wir hatten diese Korrektur für alle Chip-Titel frühzeitig angesagt. Wo liegt der Auffangkurs? 27/28 € müssten aus technischer Sicht halten. Hilfreich wird es, wenn die Nachrichten über den Chip-Mangel etwas positiver klingen. Auf der genannten Basis gehen wir long.

MERCK absolvierte den gleichen Lauf. Die erfolgreichste deutsche Pharmaadresse kostet 79 Mrd. € für einen Zielumsatz in diesem Jahr um 21,25 Mrd. € und mit einem klaren Gewinntrend bis 7,46 € je Aktie gegenüber 2,97 € vor der Coronakrise und einem stringenten Anstieg über 4,57 € je Aktie in 2020 und 6,85 € im letzten Jahr. Besser geht nicht! Die Kaufbasis liegt etwas niedriger: 160/168 €.

Resümee: Die laufende Konsolidierung ist sinnvoll zu nutzen. Dafür dient die vielzitierte Barreserve.

Im FOKUS: SDAX-Werte


Im Ausverkauf gibt es zwei Kriterien:

Die großen Bluechips haben ein kleineres Risiko, die kleineren Spezialitäten das doppelte. Im Ergebnis der letzten zwei Wochen:

Die Auffangkurse für 11 DAX-Titel in Nr. 06/22 gingen nur in 6 von 11 Fällen auf.
In 2 Fällen wurden sie deutlich verpasst, in den anderen Fällen ganz knapp. Alle zusammen verloren im Schnitt knapp 20 %, obwohl der DAX in der gleichen Zeit um rd. 7 % verlor.

Die Mittelklasse traf es härter. Zwei Tabellen hatten wir im letzten Brief zusammengefasst, Ergebnis bis jetzt: Für 9 bekannte Namen aus MDAX und TecDAX gingen 7 komplett auf, 2 wurden ganz knapp verfehlt. In der Tabelle mit den größten Verlusten, ebenfalls in Nr. 07, klappten bisher 5 von 7 Titeln. Alle restlichen Auffangkurse bleiben bestehen.

Damit hat der größere Teil der Konsolidierung mithilfe von Putin begonnen, ist aber noch nicht erledigt. Wir setzen diese Strategie fort. Ziel: Rd. 30 % Rabatt als großer Schnitt hatten wir avisiert, woran wir festhalten. Der interessante Querschnitt ergibt:

Keine Aktie ist mit der anderen vergleichbar, wie auch die Unternehmen selbst nicht. Sie dokumentieren jedoch den Ausverkauf unter Krisengesichtspunkten, die mit den Ergebnissen und der Bewertung nichts zu tun haben. Der größere Teil entfällt auf die relativ engen Märkte dieser Werte, worin große Investoren/Fonds kaum investiert sind. Alle waren in den vergangenen 12 Monaten die Lieblinge der Analysten und die Handelsobjekte der Onlinebroker.

Im FOKUS: SILTRONIC und SUSE


SILTRONIC steht stellvertretend für alle.

Der Verkauf an die Chinesen wurde nicht erlaubt. Damit krachte die Abfindungsspekulation schlicht zusammen. Gerechnet wurde mit 147 €, aktueller Kurs rd. 106 €. Aus ursprünglich 4,2 Mrd. € Traumwert wurden bis jetzt 3,15 Mrd. € für einen der wichtigsten Zulieferer für die Chipindustrie (Waferplatten).

Die Ergebnisse sind solide und die Marktposition von SILTRONIC ist gesichert. Wer greift demnächst zu oder wie baut sich SILTRONIC als einzelnes Unternehmen neu auf? Gemessen an den Unternehmenswerten im Chipumfeld liegt der angebliche faire Preis für SILTRONIC über 5 Mrd. €. Wir hatten die Hintergründe bereits beschrieben. Hier ist Fantasie gefragt. Großaktionär mit 35 % bleibt vorerst WACKER CHEMIE, die diese Beteiligung voraussichtlich ins Schaufenster stellen.

SUSE landete inzwischen wieder da, wo man herkam. Das Softwareprogramm Linux gilt als entwicklungsfähig, aber mit Einschränkungen. Von 25 € ging es bis 43,50 €, anschließend wieder auf 25 €. Die Chefin persönlich moderierte die PR-Aktionen, die inzwischen wieder vergessen sind. 4,5 Mrd. € Marktwert für 600 Mio. € Zielumsatz bleiben fraglich. Zwei Finanzinvestoren verkauften im Januar jeweils rd. 3 % zu noch höheren Kursen. Sie suchten das Weite. Ob weitere Pakete dieser Art zur Disposition stehen, ist offen. Eine Spekulation ist SUSE gleichwohl. Resümee: In allen anderen Fällen der Tabelle liegen die Bewertungskriterien nicht im ausgesprochenen billigen Sektor, aber vertretbar deshalb, weil die Kerngeschäfte bekannt sind bzw. deren Qualität hinreichend im Markt diskutiert worden ist. Spektakulärster Fall bleibt MORPHOSYS als größter Verlierer seit 3 Jahren.

Im FOKUS: Autozulieferer


Die Autozulieferer sind die doppelten Verlierer.

Zum einen über das Problem der Lieferketten und des Chipmangels und zum anderen mitten im Umbau von der bisherigen Verbrennertechnik zur E-Mobility. Soweit die Ergebnisse schon vorliegen ist aber erkennbar, dass sie gestärkt aus diesem Wechsel hervorgehen dürften.

Die aktuellen Kurse entsprechen weitgehend den Tiefstkursen der vergangenen 52 Wochen. Das ist nicht zu unterbieten. Nun kommt es darauf an, wie jede Firma ihre Rolle als Ausrüster oder Zulieferer gegenüber den großen Konzernen definieren kann. Die möglichen neuen Abspaltungen von CONTI gehören dazu. Andererseits:

Keiner ist teuer. Die KGVs von 6 oder 7 mögen teilweise in der Luft hängen, weil die geschätzten Ergebnisse unzuverlässig sind. Das bedeutet: Auf dem aktuellen Niveau sind alle 6 ein Wechsel auf das Jahr 2023. In jedem Fall aber mit einem Potenzial von annähernd 100 %.

Im FOKUS: ECKERT & ZIEGLER


Zwei technische Exoten sind eine Besonderheit.

Sie waren im Zuge der Coronakrise die technischen Überraschungen. Teilweise mit Medizintechnik-Charakter.

ECKERT & ZIEGLER sind in der Tabelle auf Seite 4 enthalten. 1992 gegründet als Bebig Isotopentechnik und Umweltdiagnostik GmbH. Daraus wurden rd. 1,3 Mrd. € Marktwert und damit eine Spezialität im deutschen Medizintechnikmarkt. Von 47 € ging es bis 136 €, aktuell wieder 64 € oder mehr als halbiert. Der Umsatz steigt permanent, aber nur schrittweise. In diesem Jahr werden es voraussichtlich 220 Mio. € werden. Der Gewinntrend ist eindeutig mit 1,76 € je Aktie als Taxe für dieses Jahr, was ein KGV von 40 ergibt.

Mit dem Entwicklungsprogramm CXCR4 wird in der Tumor-Bildgebung ein neuer Zielwert gesetzt.
Dafür läuft die klinische Phase III mit der Chance eines potenziellen Blockbusters Pentixafor. Die Aktie ist damit eine echte Wette auf erfolgreiche Forschungsarbeit. Laufzeit dieses Investments um 12 bis 18 Monate.

Im FOKUS: DR. HÖNLE


Für einen anderen schlug es ebenfalls ein.

Am letzten Freitag war DR. HÖNLE mit - 20 % an der Reihe. Dabei gehörte der Wert in den letzten beiden Jahren sicherlich nicht zu den Highflyern der deutschen Nebenwerteszene. Der Spezialist für UV-Technologie für industrielle Anwendungen wie die Kleb- und Kunststoffhärtung sowie Farb- und Lacktrocknung muss die Prognose für 2021/22 senken. Das Geschäft mit Luftentkeimungsgeräten fällt viel schwächer als erwartet aus. Angepeilt wird nun noch ein Umsatz von 130 Mio. € sowie ein EBIT von 14 bis 17 Mio. €. Zum Vergleich: Analysten von Warburg rechneten noch vor wenigen Wochen mit rd. 158 Mio. € Umsatz und über 30 Mio. € EBIT. Statt 3 € Gewinn je Aktie, wie es der Konsens erwartet hat, werden es nun nur rd. 1,80 €. Das Restrisiko reicht somit mindestens bis zu den Corona-Tiefs aus 2020 um 24 €, also rd. 20 % tiefer. Fazit: Investments in diesen Spezialitäten sind sorgfältig zu gliedern und nur im Kleinformat vertretbar, um vor Überraschungen gefeit zu sein.

EUROPA:


Auf Europaebene fand das Gleiche statt.

Die Qualitätsnamen quer durch alle Länder überstanden die Turbulenzen der letzten Wochen mit einem mittleren Verlust um 15 %. Das ist Value!

Die Gewinnbewertung aller großen Namen ist durchweg komfortabel. Lediglich ELECTROLUX erscheint als Ausnahme. Der Marktwert im Verhältnis zum Umsatz ist ebenfalls anspruchsvoll. Damit zeichnet sich ab: Echte Schnäppchen gibt es in dieser Kategorie kaum. Es sei denn, dass der eine oder andere mit spektakulären strategischen Entscheidungen eine neue Dimension kreiert. Folge:

Überdurchschnittliche Potenziale in diesen bekannten Namen sind im Zuge der Zinsverteuerungen nicht zu erwarten. Die durchschnittliche Performance liegt nicht höher als 10 bis 15 % p. a. Das wäre bereits ein deutlicher Erfolg, aber im Qualitätsvergleich mindestens solide.


Die Franzosen bieten die größte Herausforderung.

ALSTOM etablierte sich inzwischen als größter Konkurrent von SIEMENS im Sektor Verkehrstechnik. Nach der Übernahme von BOMBARDIER beeindruckte ALSTOM in den letzten Monaten mit größeren Aufträgen für Schienentechnik im Nahostraum. Auf diesem Gebiet findet eine umfangreiche politische Unterstützung durch den Präsidenten persönlich statt, analog zur Flugtechnik. ALSTOM ist damit in einer Comebacklage. Wir waren über Stopp herausgefallen und planen den Rückkauf zwischen 20 und 22 €.

HERMÈS ist die größte Herausforderung.
132 Mrd. € Marktwert für einen Luxus-Umsatz von 10,2 Mrd. € wird selbst von LVMH nicht erreicht. Ein traumhaftes KGV von 51 gehört dazu, aber: Erstmals seit längerer Zeit korrigierte der Kurs um fast 20 % in 6 Wochen. Das kann man als Gelegenheit bezeichnen. Mit einem kleinen Betrag dabei zu sein, lohnt sich.

GAZPROM


Moskau rauschte in die Tiefe.

16 % Index-Verlust in 3 Tagen sind die Quittung für die Putin-Politik mit dem fast totalen Rückzug ausländischer Investoren aus allen Titeln. Wir haben zu früh investiert. Was tun?

GAZPROM steht stellvertretend für alle anderen. Der größte Gasversorger der Welt ist aus keinem Markt zu verdrängen, weder in Richtung Osten (China) noch im Westen inklusive Nord Stream 2. Weder eine politische noch ökonomische Sanktion ist technisch umsetzbar. Ohne GAZPROM gehen in Deutschland die Lichter aus. Diese Situation ist nicht zu ignorieren.

Sowohl Menge wie Preis für Gas stehen vor keiner rückläufigen Entwicklung und im besten Fall sind leicht stagnierende Preise für Öl und Gas denkbar.
Damit ist sicher, dass GAZPROM mit einem weiteren hohen Gewinn rechnet und die Dividendenrendite dürfte sich, bezogen auf den aktuellen Preis, in der Gegend um 10 % bewegen. Verbilligen oder nicht? Wir plädieren für den schrittweisen Ausbau in den nächsten Wochen.

WALL STREET:


Der Wechsel Growth zu Value hat begonnen.

Darin liegt der Schlüssel für die weitere Tendenz der kommenden Monate. Die monetären Begleiterscheinungen sind hinreichend erläutert worden. Die aktuellen Belege für diesen Wandel sind nachvollziehbar.

Auf diesen Wechsel hatten wir Sie vorbereitet.
Der Wandel rechnet sich nicht in Dollar, sondern in Prozent und in der Gewichtung. Der größte Faktor ist der Verlust aller Werte der Tech-Szene in den bekannten Beträgen. Die Gegenseite ist deutlich kleiner, sowohl in Dollar gerechnet wie in den Prozentgewinnen der Kurse. Das zeigt das nebenstehende Bild als Trend. Wie weit dies reichen wird, zeigen die unterschiedlichen Entwicklungen in den kommenden zwei bis vier Monaten.

Der Rückblick für die letzten 6 Monate ist schon eindeutig. Größter Gewinner war Energie, größter Verlierer Kommunikation. In diesen Sektor fallen alle Internetadressen in verschiedenen Varianten. Wie lässt sich dieser Spagat weiterdenken?

Im Sektor Kommunikation stecken die Klumpenrisiken von AMAZON oder ALPHABET & Co.
Zur Technologie lässt sich wiederum TESLA und MICROSOFT rechnen bzw. APPLE. Sie gehörten bereits zu den Verlierern und werden mit den Restkorrekturen voraussichtlich ins Minus abrutschen. Das entspricht auch der Einschätzung der größten Fondsmanager, wie auf Seite 2 beschrieben.


Die spannendste Aktie dieser Art ist TESLA.

Hier geht es immerhin um ein Restrisiko in der Größenordnung von weiteren 200 bis 250 Mrd. $, nachdem sich bislang schon der gleiche Betrag in Luft aufgelöst hat. Für die bekannten anderen gelten die gleichen Relationen.

Die Mittelklasse dieses Sektors bringt es auf Größenordnungen zwischen 50 und 150 Mrd. $ als Börsenwert.
Das sind Beträge, wofür Sie fast alle DAX-Aktien einzeln und voll kaufen können. Der Maßstab liegt darin: Alle dokumentieren ein hervorragendes Kerngeschäft, wie die jüngsten Zahlen belegen. Aber keiner wird den Erwartungen entsprechen, die bisher herumgereicht wurden. Also werden entweder Positionen aufgelöst oder auf neue verzichtet. Denn auf Letztere beruhten alle Gewinne, insbesondere die der letzten 2 Jahre mit dem Rückenwind der umfangreichen Geldgeschenke der amerikanischen Regierung als Überbrückungsgeld im Lockdown, wovon nach Umfragen etwa ein Drittel in diese Aktien geflossen sind. Sammelbegriff Robinhoods. Das ergibt ein besonderes technisches Risiko, wie auf Seite 1 beschrieben.

Der TESLA-Chart ist das Beispiel für alle entsprechenden Adressen:
Jeder kann auswählen, wie nach dem üblichen Verhalten der Rückzug von Investoren ohne Panik verläuft, wenn sich die erwarteten Ergebnisse anders darstellen als bisher angenommen wurde.

Resümee: Die Konsolidierung der Tech-Szene als der modernere Teil der Wall Street entspricht in etwa dem Verlauf von 2000 bis 2002: Kein Crash, sondern schrittweiser Rückzug. Das Klumpenrisiko bei allen fünf großen Tech-Titeln stellt sich im Moment in der Summe auf eine Größenordnung von 1,2 bis 1,4 Bio. $ oder rd. 10 % im Nasdaq. Dazu gehört kein Crash, sondern ein schrittweiser Rückbau, wofür der Verlauf 2000/2002 das Vorbild ist.

WELTWEIT: Ölwerte


Der Ölpreis nähert sich der berühmten 100-$-Marke als Mittelwert für Brent und WTI.

Differenz noch etwa 4 bis 5 %. Wir ziehen eine erste Konsequenz:

Die Gewinne in den amerikanischen Öltiteln erreichten auf unserer Liste bis zur Stunde rd. 34 bis 146 %. Auf die letzten Prozente kommt es nicht an, denn: Die aktuelle Preisbildung für Öl enthält eine wesentliche Komponente in den Future-Kontrakten der internationalen Ölspekulation, hinter der keine effektive Abnahme steht. Mit anderen Worten: Es wird spekuliert, aber nicht investiert. In diesem Fall wird die magische Marke 100 $ je Barrel ein Grenzwert für Gewinnmitnahmen. Vorschlag: Wer in Öl investiert ist, halbiert die Positionen.

TOTALENERGIES und ENI gehören nicht in diese Kategorie. Beide halbstaatlichen Konzerne Frankreichs und Italiens bauen ihre alternative Energie massiv aus und berichteten darüber mit hervorragenden Ergebnissen. Beide sind auf diesem Gebiet weiter als die deutschen Energiekonzerne mit anderer Grundlage. Sie bleiben deshalb ein Investment mit stabiler Tendenz, aber ohne größere Dynamik. Wir sind über Stopp herausgefallen und erwägen einen Neukauf.

GOLD


Gold nähert sich zum zweiten Mal seiner kritischen technischen Grenze von rd. 1.900/1.950 $ die Unze.

Begleitet von Platin und zögernd von Silber. Trotz der Krisenstimmungen aus Politik und Zinslandschaft ist von einem deutlichen Preisschub nichts zu spüren.

Eine Ausweitung der Edelmetallpositionen ist nicht zwingend. Weder der politische Konflikt noch die künftige Zinstendenz sind dafür ein Grund. Spekulativ ergibt sich jedoch ein Sprungeffekt in dem Moment, wenn Gold die genannte Hürde überspringt und üblicherweise umfangreiche Goldempfehlungen die Runde machen. Als erste griff immerhin eine so bekannte Adresse wie GOLDMAN SACHS das Thema auf. Der fundamentale Grund ist nachvollziehbar. Der Goldbestand der Welt wird zurzeit mit 195.000 Tonnen angegeben. Die letzten Reserven werden auf 45.000 Tonnen geschätzt, die in den nächsten Jahren zur Ausbeute anstehen. Es entsteht mit Sicherheit eine Angebotslücke, wenn China und Russland nach eigenen Aussagen ihre Goldkäufe fortsetzen. Ein Anteil des Goldes von 5 bis 10 % an einem Portfolio bleibt gültig.

DISPOSITIONEN


DISPOSITIONEN

Cybersicherheit ist stärker zu beachten.

Besteht zurzeit eine erhöhte Gefahr durch Cyberattacken?

Die Frage erscheint gerade dann berechtigt, wenn „Hacker“ sich an IT-Systemen zwecks Beantwortung internationaler Sanktionen abarbeiten könnten. Sind staatlich geführte IT-Angriffe ein Fakt, oder sind die zweifellos vorhandenen Attacken losgelöst von jeder Staatlichkeit? Mit einer solchen Vorklärung scheint sich Christian Hummert, Forschungsdirektor der deutschen Cyberagentur, nicht lange aufzuhalten. Er spricht recht unumwunden über russische Attacken und die Zukunft der IT-Sicherheit. Vom Stromnetz über die Kommunikationsnetze bis hin zum Straßen- und Schienenenverkehr ist jede Infrastruktur heutzutage von einem digitalen Rückenmark abhängig. Weil so gut wie alles miteinander verschaltet ist, kann über das Internet vieles digital angesteuert werden. Bis hin zu Leitständen und Krankenhäusern.


Ein eklatantes Beispiel eines Ausfalls ergab sich im vorigen Sommer. Keine Attacke, sondern die Flut im Ahrtal sorgte dafür, dass der digitale Polizeifunk dort nicht mehr funktionierte. Forschungsdirektor Hummert spricht in diesem Zusammenhang von Domino-Effekten, die bisher zu wenig in den Blick genommen wurden. Um diese zu verhindern, müsse man die Netzwerke segmentieren, d.h. im Notfall einzeln abschaltbar machen. 
Ein eklatantes Beispiel eines Ausfalls ergab sich im vorigen Sommer.

Keine Attacke, sondern die Flut im Ahrtal sorgte dafür, dass der digitale Polizeifunk dort nicht mehr funktionierte. Forschungsdirektor Hummert spricht in diesem Zusammenhang von Domino-Effekten, die bisher zu wenig in den Blick genommen wurden. Um diese zu verhindern, müsse man die Netzwerke segmentieren, d.h. im Notfall einzeln abschaltbar machen. 
Höhere Widerstandsfähigkeit kann bedeuten, auf gewissen Komfort zu verzichten. Während man sich als Börsianer von digitalen Möglichkeiten begeistern lässt, bleibt der Fachmann mitunter skeptisch: Was muss wirklich alles an das Internet gehängt werden? Sehr konkret, wenn auch diplomatisch formuliert, sieht Hummer „einige Probleme“ bei der Einführung digitaler Stromzähler.


Kann demnach ein reines Messgerät ferngesteuert zum Werkzeug digitaler Sabotage gemacht werden?

Generell entsteht die Frage: Müssen wir uns demnach von diversen Plänen verabschieden, weil sie eine zu große Vernetzung erfordern? Etwa die Zukunft von Stromnetzen als Systeme dezentraler Selbstregulierung? Oder vom geschützten Fluss von Patientendaten oder vom Online-Monitoring vitaler Gesundheitsfunktionen? Verzicht auf eine stark verästelte digitale Infrastruktur ist ein mögliches Rezept für mehr Cybersicherheit. Mit dem man sich aber nicht langfristig abfinden muss. Als Börsianer tendieren wir auch heute zur optimistischen Sicht:


Digitale Sicherheit wird sich stärker gewährleisten lassen als bisher angenommen!

Beispiel: Während man sich bisher stark in Acht nehmen muss bei jeder E-Mail, wäre die Vision ein echtes Schutzschild, das auch bei allzu gutgläubiger Bedienung eines PCs die Kaperung von außen weitestgehend unmöglich macht. Kurz: Wir setzen den Wisdomtree Cybersecurity UCITS ETF (WKN A2QGAH) jetzt „billigst“ auf die Kaufliste.

Öl und Gas: Weitere Verteuerung in Sicht.


Anfang Januar waren wir auf den Zusammenhang zwischen hohen Energiepreisen und Volksprotesten eingegangen, Aufhänger war Kasachstan.

Seitdem wurden in Deutschland Maßnahmen ergriffen, um die Wirkungen höherer Energiepreise sozial abzufedern. Die politische Verbilligung (Transfers, Subventionen) bleibt notwendigerweise halbherzig. Für die nähere Zukunft ist mit einer weiteren Verteuerung aller Energieträger zu rechnen. Solange die Wasserstoffwirtschaft nicht hochgefahren ist, gilt die konventionelle Öl- und Gasförderung als lohnendes Geschäft. Als Wette darauf hatten wir den Oil & Gas ETF (s. Chartkasten) aufgenommen. Nachkauf des ordentlich gelaufenen Titels.
Man kann nicht zwei Pferde mit einem Hintern reiten.
(Woody Allen)
Herzlichst Ihr
(Hans A. Bernecker)        (Helmut Gellermann)             
Kurs-Charts werden zum Großteil mit Unterstützung von Tai-Pan erstellt. Infos: https://tai-pan.lp-software.de/bernecker
IMPRESSUM: Verlag und Abo-Service: Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH, Theodor-Heuss-Str. 1, 32760 Detmold, Tel.: 05231.983-140, Fax: 05231.983-146. Die Actien-Börse Institutionell erscheint wöchentlich. Die Vervielfältigung und Weiterverbreitung ist nicht erlaubt. Kein Teil darf (auch nicht auszugsweise) ohne unsere ausdrückliche vorherige schriftliche Zustimmung auf elektronische oder sonstige Weise an Dritte übermittelt, vervielfältigt oder so gespeichert werden, dass Dritte auf sie zugreifen können. Jede im Bereich eines gewerblichen Unternehmens veranlasste (auch auszugsweise) Kopie, Übermittlung oder Zugänglichmachung für Dritte verpflichtet zum Schadensersatz. Dies gilt auch für die ohne unsere Zustimmung erfolgte Weiterverbreitung. ALLE RECHTE VORBEHALTEN. Der Inhalt ist ohne Gewähr. Alle Informationen beruhen auf Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Deshalb dienen alle Hinweise der aktuellen Information ohne letzte Verbindlichkeit, begründen also kein Haftungsobligo. Weitere rechtliche Hinweise zu dieser Publikation finden Sie auf unserer Homepage www.bernecker.info unter „Kontakt“ und dort unter „Impressum“.
Seitdem wurden in Deutschland Maßnahmen ergriffen, um die Wirkungen höherer Energiepreise sozial abzufedern. Die politische Verbilligung (Transfers, Subventionen) bleibt notwendigerweise halbherzig. Für die nähere Zukunft ist mit einer weiteren Verteuerung aller Energieträger zu rechnen. Solange die Wasserstoffwirtschaft nicht hochgefahren ist, gilt die konventionelle Öl- und Gasförderung als lohnendes Geschäft. Als Wette darauf hatten wir den Oil & Gas ETF (s. Chartkasten) aufgenommen. Nachkauf des ordentlich gelaufenen Titels.
Man kann nicht zwei Pferde mit einem Hintern reiten.
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