Sie lesen die Ausgabe: Termin-Börse daily vom 10.09.2026

Nr. 253/26 Termin-Börse daily

Bernecker Briefkopf
Actienboerse Briefkopf

Unsicherheit!

Schlaglichter des Tages:

Hohe Ölpreise setzen die Aktienmärkte unter Druck

Brent über 100 $ schürt neue Inflationssorgen

Negative Vorgaben aus Asien

Die Suche nach einem Boden setzt sich fort

Im Fokus steht heute die Zinsentscheidung der EZB

Wir analysieren die „Schaufelverkäufer“ des Chip-Booms

Guten Morgen meine Damen und Herren,

der Boom bei Speicherchips nimmt inzwischen historische Dimensionen an. Gleichzeitig mehren sich die Warnungen vor einem bevorstehenden Höhepunkt des Zyklus. Das ist kein Widerspruch. Die Preise dürften weiter steigen, nur nicht mehr annähernd so schnell wie bisher. Für Anleger bedeutet das: Raus aus der simplen Wette auf steigende DRAM-Preise und hinein in Unternehmen, die an den notwendigen Milliardeninvestitionen der Chipindustrie verdienen.

Die Zahlen sprechen zunächst tatsächlich für eine gewisse Vorsicht. Die Vertragspreise für konventionelle DRAM-Speicher stiegen im ersten Quartal 2026 noch um rund 90 bis 95 % gegenüber dem Vorquartal, im zweiten Quartal um 58 bis 63 %. Für das dritte Quartal erwartet TrendForce nur noch 13 bis 18 %. Das Preisniveau steigt also weiter, die Geschwindigkeit des Anstiegs hat ihren Höhepunkt jedoch eindeutig überschritten. Gleichzeitig warnt TrendForce vor der nachlassenden Zahlungsbereitschaft der PC- und Smartphone-Hersteller.

Doch daraus einen unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruch des Memory-Zyklus abzuleiten, wäre voreilig. Der Markt bleibt knapp. TrendForce erwartet selbst für 2027 weiterhin Engpässe bei Server-DRAM und geht davon aus, dass die verfügbare Menge an Server-Speicherbits lediglich um 15 bis 20 % zunimmt. Die weltweiten Memory-Umsätze sollen nach der jüngsten Prognose 2026 rund 889 Mrd. $ erreichen und 2027 sogar auf mehr als 1,28 Bio. $ steigen. Das ist eine völlig andere Ausgangslage als in früheren klassischen Speicherzyklen.

Die Künstliche Intelligenz benötigt immer größere Mengen Hochleistungsspeicher, sogenannter High Bandwidth Memory. Gleichzeitig sind neue Fabriken teuer und benötigen Jahre bis zur Serienproduktion. Genau hier liegt die interessante zweite Stufe der Investmentstory: Vielleicht lässt sich nicht mehr zuverlässig vorhersagen, wie lange MICRON, SAMSUNG oder SK HYNIX ihre Traum-Margen halten können. Sicherer ist dagegen, dass sie Milliarden investieren müssen, um zusätzliche Kapazitäten aufzubauen und immer komplexere Chips produzieren zu können.

Deshalb konzentrieren wir uns bei den Aktien der KI-Unternehmen auf die Schaufelverkäufer des Chip-Booms.


APPLIED MATERIALS - unser Favorit

APPLIED MATERIALS ist derzeit die interessanteste Kombination aus Wachstum, Bewertung und Diversifikation. Das Unternehmen liefert Maschinen und Prozesse für nahezu sämtliche wesentlichen Schritte der Halbleiterproduktion und profitiert deshalb nicht nur von DRAM und High Bandwidth Memory, sondern ebenfalls von modernsten Logikchips, Foundries und dem Advanced Packaging, also dem immer komplexeren Zusammenfügen mehrerer Chips.

Operativ läuft es ausgezeichnet. Im jüngsten Quartal kletterte der Umsatz um 25 % auf den Rekordwert von 9,12 Mrd. $, der bereinigte Gewinn je Aktie sogar um 41 % auf 3,50 $. Für das laufende Quartal stellt der Konzern rund 10,25 Mrd. $ Umsatz und 4,02 $ Gewinn je Aktie in Aussicht. Das wären gegenüber dem Vorjahr Zuwächse von 51 beziehungsweise 85 %. Das Management erwartet ausdrücklich weiteres kräftiges Wachstum bei DRAM, modernsten Logikchips und Advanced Packaging.

Und jetzt kommt das Entscheidende: Trotz dieser Dynamik ist APPLIED MATERIALS auf Basis der erwarteten Gewinne vergleichsweise vernünftig bewertet. Für das Geschäftsjahr 2027 liegt das KGV bei rund 25, für 2028 bei etwa 19. Das PEG, also das Verhältnis von KGV zu Gewinnwachstum, beträgt nach Konsensschätzungen lediglich rund 0,6. Der Analystenkonsens lautet „Kaufen“, das durchschnittliche Kursziel lag zuletzt bei rund 641 $ gegenüber einem Kurs von knapp 469 $.

Damit ist APPLIED MATERIALS unser Top-Pick. Sollte der DRAM-Zyklus früher als erwartet drehen, bleibt das Unternehmen über Logikchips, Foundry-Investitionen und Packaging vergleichsweise breit aufgestellt. Bleibt der Memory-Boom dagegen bis 2027 oder 2028 intakt, verdient APPLIED überproportional mit.

Kaufen Sie das APPLIED MATERIALS-Open-end-Turbo-Long-Zertifikat von der Société Générale mit der ISIN DE000FC63H32 (Open end, akt. Basis-, Knock-out-Schwelle 335,524 USD, Hebel 3,48, Kurs 11,63 €) zu einem Drittel unlimitiert. Zwei Zukauflimits: 10,34 und 9,25 €. Stop-Loss-Limit: 7,18.


ASML - der Burggraben ist kaum zu übertreffen

Während APPLIED MATERIALS die attraktivere Bewertung besitzt, ist ASML qualitativ wahrscheinlich das stärkste Unternehmen unserer Auswahl. Ohne die Lithografiemaschinen der Niederländer können die modernsten Halbleiter schlicht nicht produziert werden. Bei der Extrem-Ultraviolett-Lithografie besitzt ASML praktisch eine Monopolstellung.

Die jüngsten Zahlen bestätigen die Stärke. Im zweiten Quartal erzielte ASML 9,3 Mrd. € Umsatz und 2,9 Mrd. € Nettogewinn. Für das dritte Quartal werden bereits 11 bis 12 Mrd. € Umsatz erwartet; für das Gesamtjahr 2026 stellt der Konzern 43 bis 45 Mrd. € in Aussicht. Zudem ist die Nachfrage nach den modernsten Anlagen so groß, dass die Produktion nach Aussagen des Finanzvorstands bis Ende 2027 nahezu vollständig ausgelastet ist.

Hinzu kommt eine langfristig spannende Entwicklung: ASML arbeitet daran, seine neueste High-NA-Technologie auch für besonders große Rechenzentrumschips nutzbar zu machen. Samsung und SK Hynix wollen High-NA-EUV nach derzeitiger Planung ab 2028 für DRAM einsetzen. Der technologische Bedarf pro produziertem Spitzenchip steigt damit weiter.

Billig ist ASML nicht. Das erwartete KGV liegt für 2026 bei rund 39 und fällt 2027 auf etwa 29. Angesichts des prognostizierten Gewinnwachstums ergibt sich allerdings ein PEG von rund 0,8. Der Analystenkonsens liegt bei „Kaufen“, das durchschnittliche Kursziel von gut 2.040 € liegt deutlich oberhalb des jüngsten Kurses von rund 1.500 €.

Für Anleger, die nicht darauf wetten möchten, ob DRAM-Preise 2027 noch um zehn, zwanzig % oder gar nicht mehr steigen, gefällt uns ASML ausgesprochen gut. Denn ASML verdient nicht primär an höheren Speicherpreisen, sondern an der zunehmenden technologischen Komplexität der Halbleiterproduktion.

Nehmen Sie das ASML-Open end-Turbo-Long-Zertifikat von der Société Générale mit der ISIN DE000FC4EZ50 (Open end, akt. Basis-, Knock-out-Schwelle 070,789 €, Hebel 3,50, Kurs 42,64 €) zu einem Drittel zum aktuellen Kurs auf. Zwei Zukauflimits: 37,11 und 33,02 €. Stop-Loss-Limit: 25,77 €.


LAM RESEARCH - die offensivere Variante

LAM RESEARCH besitzt unter unseren drei Favoriten die stärkste direkte Hebelwirkung auf den Memory-Boom. Die Anlagen des Konzerns werden insbesondere bei Ätz- und Beschichtungsprozessen benötigt und genau diese Prozessschritte werden bei dreidimensional aufgebauten Speicherchips und High Bandwidth Memory immer anspruchsvoller.

Die jüngste Geschäftsentwicklung ist beeindruckend. Im Juni-Quartal stieg der Umsatz gegenüber dem Vorquartal um 15 % auf 6,72 Mrd. $, während der bereinigte Gewinn je Aktie um knapp 24 % auf 1,82 $ zulegte. Für das Geschäftsjahr 2027 erwarten Analysten inzwischen fast 35 Mrd. $ Umsatz, knapp 50 % mehr als 2026. Der Nettogewinn soll nach Konsensschätzungen sogar um mehr als 60 % steigen.

Auch die Bewertung ist gemessen am Wachstum nicht überzogen. Das geschätzte KGV für 2027 beträgt rund 33, für 2028 rund 26. Daraus errechnet sich für 2027 ein PEG von ungefähr 0,5. Der Analystenkonsens lautet ebenfalls „Kaufen“; das durchschnittliche Kursziel lag zuletzt rund 20 % über dem Aktienkurs.

Allerdings gibt es hier einen wichtigen Unterschied zu ASML und APPLIED MATERIALS: LAM RESEARCH reagiert empfindlicher auf Veränderungen der Memory-Investitionen. Sollten SAMSUNG, SK HYNIX oder MICRON ihre Investitionspläne überraschend zurückfahren, dürfte die Aktie stärker reagieren. Außerdem gab es zuletzt Insiderverkäufe. Ein Senior Vice President veräußerte Anfang September Aktien im Wert von rund 17,4 Mio. $ im Rahmen eines vorab festgelegten Handelsplans. Das ist für sich genommen kein Verkaufssignal, aber eben auch kein zusätzliches positives Insidersignal.

LAM RESEARCH ist deshalb unsere offensivere Empfehlung. Wer davon ausgeht, dass die Kapazitätsknappheit bei Speicherchips noch mindestens bis 2027 anhält, bekommt hier den größten Hebel unserer drei Ausrüster.

Ordern Sie das LAM RESEARCH-Open-end-Turbo-Long-Zertifikat von der Société Générale mit der ISIN DE000FE3LM46 (Open end, akt. Basis-, Knock-out-Schwelle 226,439 USD, Hebel 3,46, Kurs 7,89 €) zu einem Drittel unlimitiert. Zwei Zukauflimits: 7,08 und 6,13 €. Stop-Loss-Limit: 4,88.

Warum MARVELL und ARISTA diesmal nicht dabei sind

Beide Unternehmen gefallen uns operativ weiterhin. MARVELL steigerte den jüngsten Quartalsumsatz um 37 %, den Data-Center-Umsatz sogar um 46 %. Zudem besitzt der Konzern mit kundenspezifischen KI-Chips enormes langfristiges Potenzial. Der Haken ist die Bewertung: Auf Basis der Konsensschätzungen liegt das KGV für das laufende Geschäftsjahr bei rund 125 und selbst für das darauffolgende Jahr noch bei knapp 50. Hinzu kommt, dass wesentliche Umsätze aus dem neuen Google-Auftrag erst später anlaufen sollen. Für Neueinstiege ist uns da derzeit zu viel Zukunft im Kurs.

ARISTA NETWORKS wiederum ist kein Custom-Chip-Spezialist, sondern einer der führenden Anbieter von Netzwerkhardware und -software für Rechenzentren. Die Wachstumsgeschichte ist hervorragend: Der Umsatz stieg zuletzt um knapp 38 %, der Gewinn je Aktie um rund 40 %. Allerdings kostet die Aktie rund das 51-Fache der für 2026 erwarteten Gewinne und etwa das 40-Fache der 2027er-Gewinne. Qualität ja, Schnäppchen nein.

Unsere Schlussfolgerung: Der Memory-Boom ist nicht vorbei. Aber die Phase, in der Anleger praktisch jeden Memory-Titel kaufen konnten, dürfte sich ihrem Ende nähern. Die Preissteigerungen verlangsamen sich deutlich, während die notwendigen Investitionen in neue Kapazitäten, High Bandwidth Memory, modernste Fertigungsverfahren und Advanced Packaging erst noch bevorstehen. Genau deshalb gefällt uns der Wechsel von den Speicherproduzenten zu den Ausrüstern.

Die Abrechnungen von gestern:

Das DAIMLER TRUCK-Open end-Turbo-Long-Zertifikat von der Société Générale

mit der ISIN DE000SX3L987 (Open end, akt. Basis-, Knock-out-Schwelle 32,749 €, Hebel 3,82, Kurs 1,16 €) kostete 1,17 €. Offen sind die Zukauflimits: 1,11 und 1,02 €. Stop-Loss-Limit: 0,77 €.

Für das TRATON-Open-end-Turbo-Long-Zertifikat von der Société Générale mit der ISIN DE000SX3VU05 (Open end, akt. Basis-, Knock-out-Schwelle 26,368 €, Hebel 3,40, Kurs 1,09 €) waren 1,14 € zu zahlen. Es bleibt bei den zwei Zukauflimits: 1,04 und 0,95 €. Stop-Loss-Limit: 0,68.

Das VOLVO B-Open-end-Mini-Future-Long-Zertifikat von der BNP Paribas mit der ISIN DE000PK2QUC4 (Open end, akt. Basis 242,782 SEK, akt. Knock-out-Schwelle 254,920 SEK, Hebel 3,43, Kurs 8,95 €) wurde mit 9,03 € eingebucht. Die zwei Zukauflimits bleiben gültig: 8,28 und 7,33 €. Stop-Loss-Limit: 5,88.

DAX-INDEX-TRADE

Wir gehen long.

Trade: DAX-Long!

Kauf DAX-Turbo-Long (Vontobel), Laufzeit Open end, ISIN: DE000VY40512, Basis/Knock-out akt. 24.178, Hebel 19, Kurs um 1,41 €. Stop-Loss-Limit zur Verlustbegrenzung 1,19 €, Ziel 1,71 €. 

EINZELWERTE-POSITIONEN:

Hier die EINZELWERTE-POSITIONEN in der Übersicht:

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