Sehr geehrter Aktionär!
Jackson Hole und Nvidia lieferten die medialen Schlagzeilen der letzten Woche. Wirklich überrascht sind wir nicht. Warsh agiert auf zwei Ebenen. Kurzfristig klang er eher hawkish (Zinsen rauf, Gold runter war der Effekt), langfristig versuchte er die Fed stärker auf strukturelle Veränderungen wie KI und Produktivität auszurichten.
Die Fed beginnt KI und Produktivitätsgewinne systematisch in ihr wirtschaftliches Denken einzubauen. Warsh bezeichnete sie ausdrücklich als „new factor of production“. Wenn Unternehmen mit derselben Zahl an Beschäftigten deutlich mehr produzieren können, steigt das mögliche Wachstum der Wirtschaft. Höhere Löhne müssen dann nicht automatisch höhere Inflation bedeuten. Gleichzeitig könnte die Wirtschaft über Jahre stärker wachsen, als es die alten Modelle der Notenbanken unterstellen. Parallel dazu:
Nvidia liefert parallel den Beweis dafür, wie groß diese Transformation bereits ist. Der Konzern erwartet für das kommende Jahr rund 70 % Umsatzwachstum. Die Nachfrage nach Rechenleistung wächst sogar noch schneller, wird aber durch fehlende Chips, Strom und Rechenzentren begrenzt. Hyperscaler, KI-Labore und Infrastrukturinvestoren mobilisieren dafür inzwischen Hunderte Milliarden Dollar. Fakt ist: In einer Blase wird Angebot aufgebaut, bevor ausreichend Nachfrage vorhanden ist. Im KI-Markt erleben wir momentan das Gegenteil. Deshalb:
Das Emissionsvolumen der Magnificent Seven hat inzwischen eine Größenordnung erreicht, die selbst für die staatlichen Anleihemärkte relevant wird. Die Tech-Konzerne ziehen gewaltige Kapitalbeträge an sich und konkurrieren damit direkt mit Staaten um langfristige Finanzierung. Warsh kann also machen, was er will. Ohne den massiven Rückkauf von Anleihen (QE) einerseits oder eine deutliche Haushaltskonsolidierung der USA mit Abschwächung der Wirtschaft ist der Zinsanstieg nicht aufzuhalten.Denkbar ist deshalb:
Die Fed vollzieht im September einen Alibi-Zinsschritt nach oben. Dieser wird inzwischen zu 60 % erwartet. Folge wäre aufgrund gewisser Konjunkturängste nebst höherer Glaubwürdigkeit eine kurze Verschnaufpause/Rücksetzer am langen Zinsende. Wirklich nachhaltig etwas bewegen lässt sich damit dennoch nicht. Zurück zu Nvidia:
Nvidia hat diesmal das bekannte Muster durchbrochen, nach guten Zahlen trotzdem zu fallen. Der Grund war weniger die eigentliche Quartalsüberraschung. Umsatz und Gewinn lagen nur rund 4 bzw. 6 % über den Erwartungen. Entscheidend war der Ausblick: Für das Geschäftsjahr 2027/2028 stellt Nvidia rund 70 % Umsatzwachstum in Aussicht. CFO Colette Kress spricht von einer weiteren Beschleunigung der Nachfrage, obwohl Nvidia bereits eine enorme Umsatzbasis erreicht hat. Für den gesamten KI-Komplex ist der Ausblick ein wichtiges Signal und sollte den Chip-Sektor nach den kräftigen Rücksetzern seit Ende Juni stabilisieren. (VS)

