Sie lesen die Ausgabe: Frankfurter Börsenbrief vom 11.06.2026

Nr. 24/26 Frankfurter Börsenbrief

Bernecker Briefkopf
Actienboerse Briefkopf

Zur aktuellen Marktlage


In den Jubel um SpaceX, das in dieser Woche ein IPO des Jahrzehnts absolviert, stimmen wir nur sehr bedingt ein.

Das gesamte Setting erinnert an den Begriff „Silly Money“. Das „alberne Geld“ zirkuliert als eine Redensart in nordamerikanischen Finanzkreisen. Der Begriff zielt insbesondere auf deutsche Anleger ab, die ihre Euros albernerweise gern in Projekten versenken, die von vornherein zum Scheitern verurteilt sind. Anders formuliert: Je dümmer das Projekt, desto größer der Anteil deutscher Anleger, die sich daran beteiligen. Das Wort „dumm“ ist mitunter durch „bösartig“ zu ersetzen. Andererseits: 

Wenn meine „persönlichen Helden“ von Trade Republic in das Geschehen eingebunden sind, vermute ich größte Cleverness pro Anleger. Der deutsche Neobroker ermöglichte seinen Kunden die Zeichnung von SpaceX-Aktien. Gestern wäre der letzte Tag gewesen, um mich noch mit einer Position zu beteiligen. Eigene Projekte waren wichtiger; ich bleibe gelassen und weise auf SAP als soliden Musterdepot-Zukauf (S. 8) hin. 

Mein zweiter „persönlicher Held“, Jamie Dimon, ist ebenfalls an der Sache SpaceX beteiligt. Die von ihm geleitete US-Großbank JPMorgan Chase trommelte für den Börsengang. Die warnende Coolness, die Jamie Dimon zuvor immer wieder unter Beweis gestellt hatte, wandelte sich bei SpaceX in pure Begeisterung für Elon Musk, der im IPO-Moment auf die Position der mit Abstand reichsten Person auf dem Globus katapultiert wird. Besteht seine Vision wirklich darin, auf dem Mars zu sterben?  

Nicht alle Institutionen in den USA beugen sich vor Elon. Während für den Index Nasdaq 100 Regeln geändert wurden, um die schnelle Aufnahme eines eigentlich kaum börsenfähigen Konglomerats zu ermöglichen, blieben die Verantwortlichen des S&P 500 konsequent bei ihren Bedingungen. Mindestens zwölf Monate lang muss sich das größte Space-Unternehmen bewähren, bevor es in den marktbreiten Index gelangen kann. Bis dahin kann man sich auch auf neue Short-Gemetzel einstellen.

Bleiben Sie geerdet! 

Helmut Gellermann 

Inhalt:

Super-IPO SpaceX: Heiße Wette oder Weltraumschrott?

Rocket Internet: Profitiert ebenfalls vom SpaceX-IPO

Sino: Spannende Beteiligungswette

Oracle: Zunächst wird sehr massiv investiert

J.M. Smucker: Höhere Margen in drei Segmenten

Drei-Gastgeber-WM: Business wie nie zuvor

Airbnb: Buchstabiert das WM-Geschäft

Comcast: Überträgt auf Spanisch

Vonovia-Anleihe: Lohn der Angst?

SAP: Kauf ins konservative Musterdepot

Thema der Woche


Super-IPO SpaceX: Heiße Wette oder Weltraumschrott?

An der Wall Street dreht sich derzeit alles um das größte IPO der Börsengeschichte: SpaceX. Zum Ausgabepreis von 135 $ je Aktie wird das Unternehmen von Elon Musk mit rund 1,8 Bio. $ bewertet. Im vorbörslichen Handel wurden bereits Kurse von über 150 US-Dollar gehandelt, was auf deutliche Zeichnungsgewinne zum Handelsstart am 12. Juni hindeutet. Ursächlich dafür ist das zunächst knappe Aktienangebot von fast 5 %. Da es für die Altaktionäre (außer Elon Musk) keine Lock-up-Frist gibt, werden bereits bis Ende Juni weitere 20 bis 30 % der Aktien auf den Markt kommen. 

Tatsächlich ist SpaceX heute weniger ein Raumfahrtunternehmen, wie der Name suggeriert, als vielmehr eine Beteiligungsholding. SpaceX stützt sich operativ vor allem auf Starlink, das mit 11,4 Mrd. $ Umsatz und 4,4 Mrd. $ operativem Gewinn die mit Abstand wichtigste Ertragsquelle darstellt. Das Satelliteninternet-Geschäft wächst dank inzwischen 10,3 Mio. Kunden dynamisch, bleibt jedoch äußerst kapitalintensiv: Allein 2025 investierte das Unternehmen 4,2 Mrd. $ in neue Satelliten und Infrastruktur. 

Deutlich schwächer präsentiert sich das Raumfahrtgeschäft. Zwar dominiert SpaceX mit 170 Raketenstarts pro Jahr den Markt, im ersten Quartal 2026 schrieb das Segment jedoch bei 619 Mio. $ Umsatz einen operativen Verlust von 662 Mio. $. Für einen Quasi-Monopolisten ist das, gelinde gesagt, zu wenig. 

Noch höher fallen die Verluste im KI-Geschäft rund um xAI, X (ehemals Twitter) und das Sprachmodell Grok aus. Bei 818 Mio. $ Umsatz summierte sich das operative Minus im Q1 auf 2,5 Mrd. $. Positiv wirkt hier ein Großauftrag von Anthropic, das Rechenkapazitäten für bis zu 15 Mrd. $ über drei Jahre gemietet hat - allerdings mit 3-monatiger Kündigungsfrist versehen. Gleichzeitig belasten rückläufige Werbeerlöse bei X, der Abgang sämtlicher xAI-Mitgründer sowie die geplante Übernahme der KI-Coding-Plattform Cursor für bis zu 60 Mrd. $ die Investmentstory. 

Insgesamt finanziert derzeit vor allem Starlink die ambitionierten Wachstumspläne in Raumfahrt und Künstlicher Intelligenz. Dem Unternehmen fließen durch die Platzierung 75 Mrd. $ zu. Die Mittel sind jedoch bereits weitgehend verplant: Eine kurzfristig fällige Kreditlinie über 20 Mrd. $ muss refinanziert werden, weitere 60 Mrd. $ sind für die geplante Übernahme von Cursor vorgesehen. Falls die Transaktion scheitert, kommt eine Break-up-Fee von 10 Mrd. $ auf SpaceX zu. Große Investitionen kann man mit dem IPO-Erlös nicht anstoßen. 

Verkauft wird die Story vor allem den Retail-Anlegern mit KI- und Raumfahrt-Fantasie. Rechenzentren im Weltraum sind aber noch weiter entfernt als die Robotaxis bei Tesla, die eigentlch schon seit 2019 fahren sollen und es bisher noch nicht in den Markt geschafft haben. Was Elon Musk aber regelmäßig schafft, ist, dass er sämtliche Bewertungsrelationen ad absurdum führt. So überzeugen auch die fundamentalen Kennzahlen bei SpaceX nicht. 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 18,7 Mrd. $, verbuchte jedoch einen Verlust von 4,9 Mrd. $. Im ersten Quartal 2026 summierte sich das Minus bereits auf 4,3 Mrd. $. Gleichzeitig schrumpfte der Bestand an liquiden Mitteln binnen drei Monaten von 24,7 auf 15,8 Mrd. $.

Die Investmentstory basiert vor allem auf Visionen. Man hat einen „Total Addressable Market“ für alle Sparten von insgesamt 28,5 Bio. $ identifiziert. Ein enormes Volumen, das sich aber schwer nachvollziehen lässt. Mit einer Marktkapitalisierung im Bereich des rund 100-fachen Jahresumsatzes gehört SpaceX zu den ambitioniertesten Bewertungen der gesamten Kapitalmarktgeschichte. 

Kurzfristig sprechen technische Faktoren für die Aktie. Eine schnelle Aufnahme in den Nasdaq 100 gilt als wahrscheinlich und könnte allein durch passive Indexfonds Kaufvolumina von rund 7 Mrd. $  auslösen. Hinzu kommt die hohe Nachfrage von Privatanlegern und Musk-Anhängern. Für den S&P 500 kommt eine Aufnahme dagegen frühestens nach zwölf Monaten infrage.

Der renommierte US-Finanzprofessor Aswath Damodaran (New York University) kalkulierte für die SpaceX-Aktie einen „fairen Wert“ von 100 $. Selbst damit erscheint uns der „Mischkonzern mit Raumfahrtanteil“ mehr als ambitioniert bewertet. 

Unser Fazit: Das IPO ist die perfekte Krönung des aktuellen Space-Hypes (siehe Chartvergleich). Als Investment überzeugt SpaceX auf aktuellem Niveau aber nicht. (MH) 


Rocket Internet: Profitiert ebenfalls vom SpaceX-IPO

Nebenwertefans, die Aktien in Sondersituationen mögen, finden mit Rocket Internet aktuell einen weiteren Profiteur des anstehenden Börsengangs von SpaceX und eine interessante Investitionsmöglichkeit. Die Story ist FB-Lesern hinlänglich bekannt. Die Gesellschaft ist an mehreren Hundert Internet-Start-ups beteiligt. Dazu zählen unter anderem die Prognosemarktplattform Kalshi, die Softwarefirma Canva und der Zahlungsdienstleister Sumup. Auch beim Weltraumkonzern SpaceX von Elon Musk ist Rocket Internet über das Investment-Vehikel Gigafund an Bord. Das könnte durch den anstehenden Börsengang für neue Dynamik im Kurs sorgen. 

Die Aktie von Rocket Internet hat bewegte Zeiten hinter sich. Einst als Börsenliebling gefeiert, geriet der Titel nach Absturz und Delisting größtenteils in Vergessenheit. Heute wird das Papier um 25 € nur noch im Hamburger Freiverkehr gehandelt. 

Doch ein zweiter Blick lohnt sich, denn die Gesellschaft ist attraktiv bewertet. 2025 lag das Ergebnis bei 751 Mio. € bzw. 9,22 € je Aktie. Das Portfolio hat geschätzt einen Buchwert je Aktie von 32 €. In der Einzelbilanz weist Rocket zudem einen Kassenbestand von insgesamt 445 Mio. € oder 5,50 € je Aktie aus, gleichzeitig bestehen keinerlei Bankverbindlichkeiten. 

Obendrein schlummern erhebliche stille Reserven in der Bilanz. So wurde etwa Kalshi in einer Finanzierungsrunde im April 2026 mit 22 Mrd. $ bewertet, doppelt so hoch wie im Dezember 2025. Allein dieser Bewertungssprung führt zu einer Erhöhung des inneren Werts von Rocket Internet von etwa 310 Mio. € oder 3,80 € je Aktie. 

Kurzfristig spannend ist die Beteiligung an SpaceX. Kommt dieser Titel am 12. Juni zu 135 $ an den Markt, beträgt die Börsenkapitalisierung von SpaceX irrwitzige 1,75 Bio. $. Dann wäre allein der SpaceX-Anteil von Rocket Internet schon rund 8 € je Aktie wert. Insgesamt dürfte der faire Wert des Unternehmens (NAV) aktuell zwischen 45 und 54 € liegen, was dem aktuellen Börsenkurs noch reichlich Spielraum nach oben lässt. Oder angesichts des üppigen Finanzpolsters werden Ausschüttungen und Aktienrückkäufe durchgeführt.

Auch ein Squeeze-out ist denkbar. In Börsenkreisen wird schon länger gemunkelt, dass die Großaktionäre aus der Samwer-Familie irgendwann auch die letzten verbliebenen Minderheitsaktionäre herauskaufen könnten. Darauf spekuliert etwa die börsennotierte Scherzer AG, die rund 0,56 % an Rocket hält und für die HV am 24. Juni einen Gegenvorschlag für eine Dividende von 5 € je Aktie eingereicht hat. Rocket Internet selbst will dagegen den Streubesitz mit der gesetzlichen Mindestdividende von mickrigen 0,04 € je Aktie abspeisen. Noch ist alles Spekulation, jedoch: 

Die Kombination aus SpaceX-Fantasie, hoher Liquidität und möglichem Squeeze-out macht Rocket Internet zu einer sehr interessanten „Special Situation“. Anleger brauchen aber bei diesem Investment neben Mut auch viel Geduld. (HG)


Sino: Spannende Beteiligungswette

Die Aktie von Sino ist im deutschen Nebenwertesegment die nächste spannende Beteiligungswette. Auf den ersten Blick ist Sino ein kleiner Spezialbroker für Heavy Trader. Doch der Dreh der Geschichte liegt bei einer Beteiligung an Trade Republic. Nach dem jüngsten Teilverkauf hält Sino noch immer rund 1,77 % an der Neobank. Beim zuletzt diskutierten Unternehmenswert von 12,5 Mrd. € entspricht das umgerechnet einem Beteiligungswert von rund 221 Mio. € oder fast 95 € je Sino-Aktie. 

Bemerkenswert ist dabei, dass die Börse diesen Wert bislang nur ansatzweise widerspiegelt. Denn bei Kursen von 103 € erhalten Aktionäre das operative Geschäft von Sino praktisch zum Schnäppchenpreis dazu. Und das läuft derzeit sehr erfolgreich. Die Zahl der ausgeführten Orders stieg im vergangenen Jahr um fast 67 %. In der laufenden Periode läuft das Geschäft sogar noch dynamischer. Im ersten Quartal verdoppelte sich die Zahl der Transaktionen nahezu. Zusätzliche Impulse liefern neue Angebote wie Kryptohandel, Wochenendhandel und perspektivisch sogar ein 24-Stunden-Handel. Damit erschließt Sino weitere Umsatzquellen und stärkt die Position bei besonders aktiven Börsianern. 

Die eigentliche Fantasie steckt jedoch in der Restbeteiligung an Trade Republic. Sollte die Neobank in den kommenden Jahren selbst an die Börse gehen oder erneut zu einer höheren Bewertung finanziert werden, könnten bei Sino noch erhebliche stille Reserven sichtbar werden. Firmenchef Ingo Hillen rechnet damit, dass Trade Republic angesichts des boomenden Geschäfts bis 2028 eine Bewertung von 30 Mrd. € erreichen kann. Umgerechnet wären das 228 € je Sino-Aktie, ein Aufgeld von 120 % zum aktuellen Kurs. Wegen dieses Schatzes in der Bilanz wird die Sino-Aktie in Finanzkreisen gerne auch als gehebelte Trade-Republic-Wette bezeichnet. Und solche Beteiligungsgeschichten haben an der Börse schon oft für Neubewertungen gesorgt. 

Interessant ist auch, dass Trade Republic dieser Tage überraschend verkündet hat, seinen Kunden die Zeichnung von SpaceX-Aktien zu ermöglichen. Normalerweise stehen deutsche Privatanleger bei US-Börsengängen eher ganz hinten in der Schlange. SpaceX wird der größte Börsengang aller Zeiten und bringt dann auch Trade Republic über den geplanten IPO-Coup mehr Renommee und womöglich absehbar auch eine höhere Bewertung. Dieser Effekt wiederum macht die Sino-Wette noch lukrativer. 

Fazit: Spannende Sondersituation mit wenig Risiko und attraktiver Renditechance. (HG)

USA


Oracle: Zunächst wird sehr massiv investiert

Der texanische Datenbank- und Cloud-Spezialist schaffte im fiskalischen Q4 einen Umsatzanstieg von 21 % auf 19,2 Mrd. $ und erneut 32 % operative Marge. Der Gewinn je Aktie kletterte auf 1,45 $ gegenüber 1,19 $ vor einem Jahr. 

Insbesondere das Cloud-Computing ist gut gelaufen (Umsatz 9,9 Mrd. $ bzw. 47 % über Vorjahr), es blieb der entscheidende Wachstumstreiber. Zudem haben sich die Erlöse speziell mit der Oracle Multi­cloud AI Database verfünffacht. Bis zu diesem Punkt waren die Anleger zufrieden, doch beim wichtigen Cashflow begannen die Irritationen. Zwar wurde der operative Cashflow von vorjährig 20,8 auf 32,0 Mrd. $ ausgebaut, aber: Wie schon vor drei Monaten war der Free Cashflow erheblich negativ (- 23,7 Mrd. $ gegen - 394 Mio. $ vor einem Jahr). An dieser Stelle zeigt sich erneut die benötigte Wucht der Beträge für den Aufbau von Cloud- bzw. KI-Infrastruktur. Zur Finanzierung holt Oracle mit kombinierter Fremd- und Eigenkapitalmaßnahme 40 Mrd. $ herein. 

Nach einem Gesamtjahr mit + 17 % beim Umsatz und + 37 % beim Gewinn sollen die Erlöse in den nächsten zwölf Monaten um 20 % wachsen, der bereinigte Gewinn aber um 18 %. Die Relation zwischen nötigen Investitionen und möglichem Wachstum irritiert Anleger jetzt. Zurzeit kein Kauf. (HG)


J.M. Smucker: Höhere Margen in drei Segmenten

Der US-Lebensmittelkonzern hat im fiskalischen Q4 die Gewinnerwartung übertroffen. Nachdem zuletzt Campbell geschwächelt hatte, waren die US-Anleger zufrieden mit der Leistung des in Europa vor allem für sein Kaffeegeschäft bekannten Konzerns. 2,77 $ bereinigter Gewinn je Aktie (Vorjahr: 2,57 $) lag 13 Cent über Erwartung. Der Umsatz wuchs trotz des Verkaufs einiger Snack-Marken um 6,1 % auf 2,27 Mrd. $ und schlug den Konsens eher knapp um 10 Mio. $. 

CEO Mark Smucker sieht den bereits deutlich veränderten Konzern auf einem weiterhin guten Kurs („unsere Strategie funktioniert“). Man bleibe auf die Beschleunigung des Umsatzwachstums der Kernbereiche fokussiert. Obwohl die Aussagen im Vergleich zu den aktuellen Megathemen eher gemütlich wirken, stieg die Smucker-Aktie direkt um 10 % als Tagessieger im S&P 500. Die neue Guidance konkretisierte die erwartetete Schrumpfung im GJ 2027: Für die Erlöse gilt - 3 bis - 4 % und beim Free Cashflow werden 1,0 Mrd. $ anvisiert. Den besten Eindruck im Zahlenwerk machen verbesserte Ergebnismargen im Heimatmarkt bei Tiefkühlware („Frozen Handheld“), Tiernahrung und Süße Snacks. Im Kaffeegeschäft war die Marge rückläufig. Beim erneuten Test der 100-Dollar-Marke kann man die Aktie ins Depot nehmen. (HG) 

Fußball-WM


Drei-Gastgeber-WM Business wie nie zuvor

Die Fußball-Weltmeisterschaft startet, erstmals mit 48 Teams und 104 Spielen über 39 Tage. Rund sechs Mrd. Menschen werden zuschauen, drei Viertel der Matches finden in den USA statt. Ein Mammut-Event auch für Börsianer. Denn WM bietet auch immer die Chance, viel Geld zu verdienen. Doch wer könnte gewinnen?

Airbnb buchstabiert das WM-Geschäft

Der Vermittler von Unterkünften erwartet, dass mehr als 380.000 Fans die Plattform für ihre WM-Quartiere nutzen. Hinzu kommt die neu aufgelegte Sparte mit kuratierten Erlebnissen, die Airbnb in Partnerschaft mit der FIFA anbietet. Das Turnier wird so zur Bühne für ein zweites Standbein neben der reinen Vermietung. 

Operativ läuft es ohnehin rund: Im ersten Quartal kletterte der Umsatz um 18 % auf 2,68 Mrd. $, das Buchungsvolumen legte um 19 % auf 29,2 Mrd. $ zu, der durchschnittliche Übernachtungspreis stieg um 9 % auf 186,82 $. Damit wächst Airbnb schneller als die Rivalen Booking und Expedia und gewinnt Marktanteile. Die bereinigte EBITDA- und die Free-Cashflow-Marge bewegen sich bei rund 30 %, im Gesamtjahr peilt man zumindest 35 % EBITDA-Marge an. Zum aktuellen Kursniveau kommt Airbnb auf knapp das 26-Fache des für 2026 erwarteten Ergebnisses. Billig ist das nicht, aber angesichts der aktuellen Wachstumsdynamik tolerierbar. (CM)

 


Comcast überträgt auf Spanisch

Der Medien- und Kabelkonzern Comcast hält die spanischsprachigen Übertragungsrechte und zielt damit auf das fußballbegeisterte Latino-Publikum. Das Turnier soll die Werbeerlöse des Senders Telemundo anschieben und dem Streamingdienst Peacock helfen, erstmals die Gewinnschwelle zu erreichen. Im Auftaktquartal übertraf Comcast dank Winterspielen und Super Bowl die Erwartungen, meldete die besten Mobilfunk-Neukundenzahlen der Firmengeschichte und erstmals seit Ende 2020 wieder eine Besserung bei den Breitbandverlusten. Allein im Quartal flossen 1,2 Mrd. $ als Dividende und 1,3 Mrd. $ in Aktienrückkäufe. Hochgerechnet ergibt das eine kombinierte Rendite von rund 11 %. Der Kurs stürzte zuletzt auf den tiefsten Stand seit über zehn Jahren, ausgelöst durch ein schwaches Quartal des Wettbewerbers Charter. Im Umfeld der WM kann man auf einen technischen Rebound spekulieren.

Heiß umkämpft ist das Wettgeschäft. Auf die WM dürften global rund 50 Mrd. $ gesetzt werden, wovon Anbieter wie DraftKings und Flutter profitieren. Doch der einstige Wachstumsmarkt zeigt längst Ermüdung, dazu drängen Prognosemärkte wie Kalshi herein und höhere Steuern belasten. Aktuell ergibt sich hier keine Empfehlung, aber die Branche sollte man generell im Blick haben. (CM)

Anleihen, ETFs & Co


Cybersecurity-ETF: Prächtig erholt

Die Befürchtungen zur KI-Disruption der gesamten Softwarebranche hatten sich auch auf die Cybersicherheit massiv ausgewirkt. Der von uns empfohlene Wisdomtree Cybersecurity ETF (siehe FB 48/2024) machte darin keine Ausnahme und ging bis Mitte April abwärts. Die Erholung bis Anfang Juni um 63 % ist phänomenal, aktuell wirkt eine Konsolidierung. Die Top 10 enthalten die bekannten Security-Titel von CrowdStrike bis Zscaler. Neue Käufe bei 26,30 €. (HG)


Vonovia: Lohn der Angst?

Schon wieder die Zinsen. Der größte deutsche Wohnungskonzern hatte erneut einen schwachen Wochenstart erwischt, der Kurs rutschte unter die psychologisch wichtige Marke von 20 €. Auslöser waren diesmal vor allem aus den USA herüberschwappende Zinsängste, die am Anleihemarkt für Druck sorgen. Für einen trotz aller Fortschritte beim Schuldenabbau weiterhin hoch verschuldeten Konzern wie Vonovia ist das Gift: Steigende Renditen verteuern die Refinanzierung und drücken auf die Immobilienbewertungen. 

Operativ läuft das Vermietungsgeschäft stabil. Die Nachfrage ist hoch, die Mieten steigen und auch die Bewertung wirkt mit einem KGV von 11 und einer Dividendenrendite von knapp 6 % optisch günstig. Doch das genügt derzeit nicht, um zu stützen. Der Auslöser für eine Trendwende fehlt. Belastet vom Zinsdruck sind auch die ausstehenden Bonds. Genau hier liegt aber die Überlegung: Womöglich sind die trüben Zinsperspektiven in den Kursen längst eingepreist. Wer darauf spekuliert, findet in der erst im September 2025 begebenen Australien-Dollar-Anleihe mit Kupon von 5,717 % und Laufzeit bis 2035 ein interessantes Vehikel. Bei rund 94,6 % wirft sie etwa 6,6 % Rendite ab. Das Währungsrisiko ist einzukalkulieren, spekulativ erscheint eine Position aber vertretbar. (CM)


10 Ideen mit ETFs & Aktien: So kann ein Sparplan-Depot aussehen

Ein neues Bernecker-Webinar steht vor der Tür. Unser Redakteur Carsten Müller sowie Oliver Kantimm vom Aktionärsbrief erläutern die Logik von Sparplänen auf Aktien und ETFs. +++ Sparpläne sind die ultimative Antwort auf die Frage nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt. +++ Seien Sie gespannt auf 10 konkrete ETF- und Aktienbeispiele. +++ So spielen ETF-Basis, Aktien-Akzente und regelmäßiges Investieren optimal zusammen. +++ Das Seminar beginnt am Donnerstag, 25. Juni 2026 um 18.00 Uhr. +++ Details (z. B. Rabatt für Frühbucher) finden Sie im Anhang dieser Ausgabe. +++ Scannen Sie dort den QR-Code und sichern sich Ihren Teilnehmerplatz.

KONSERVATIVES MUSTERDEPOT

Musterdepot konservativ:

Im Zentrum einer volatilen Erholung in der Software-Branche steht für uns SAP. Wir haben den deutschen Weltkonzern für die Aufnahme ins Musterdepot ausgewählt. 

Geschont wurde die SAP-Aktie zuletzt nicht: Von Jahresbeginn bis Mitte Mai hatte sie 35 % verloren, weil die gesamte Branche zum KI-Verlierer abgestempelt worden war. Dann ging es 28 % nach oben, das positive Narrativ dazu: Agentische KI werde millionenfach in die digitalen Plattformen geschickt, die schnellen Aktionen dieser Agenten gelingen aber nur in verlässlichen Datenstrukturen. Seit dem 2. Juni wurde dies kursmäßig wieder relativiert: - 14 % bis heute. Der relevante Merksatz zum Neuanstieg der SAP-Aktie stammt von Nvidia-Chef Jensen Huang: KI sei für Softwareanbieter keine Gefahr, sondern ein zusätzlicher Nachfragehebel. SAP verbindet Cloud-Software, Datenprozesse und Unternehmensanwendungen, dieser langjärhig stabil verwobene Ansatz sollte Kunden davon abhalten, ihre Prozesse neuen Systemen anzuvertrauen, die vermutlich eher instabil sein werden. 

Wir kaufen im ersten Schritt 50 SAP-Aktien zum tagesaktuellen Kurs (aktuell: 143,60 €). Und legen uns auch direkt zum Nachkauf bei 137 € für weitere 50 Stück auf die Lauer. 

Depot:


SPEKULATIVES MUSTERDEPOT

Aixtron:

Worauf wartet Dt. Bank Research? Das am 9. Juni bestätigte Kursziel 43 € riecht für uns nach Rückkauf. Die Restposition wird gehalten. (HG)

Depot:


EMPFEHLUNGSLISTE

Teil I:


Teil II:


Teil III:


Impressum:

Redaktion:

Helmut Gellermann

Markus Horntrich 

Carsten Müller

Verlag: Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH, Schiessstr. 55, 40549 Düsseldorf;
GF: Michael Hüsgen, AG Düsseldorf HRB 88070

Abo-/Leser-Service: Bernecker Börsenbriefe, Westerfeldstr. 19, 32758 Detmold,
Tel.: 0211.86417-40, Fax: -46, Mail: abo@bernecker.info

Der Frankfurter Börsenbrief erscheint wöchentlich. Vervielfältigung und Weiterverbreitung sind nicht erlaubt. Kein Teil darf (auch nicht auszugsweise) ohne unsere ausdrückliche vorherige schriftliche Zustimmung auf elektronische oder sonstige Weise an Dritte übermittelt, vervielfältigt oder so gespeichert werden, dass Dritte auf sie zugreifen können. Jede im Bereich eines gewerblichen Unternehmens veranlasste (auch auszugsweise) Kopie, Übermittlung oder Zugänglichmachung für Dritte verpflichtet zum Schadensersatz. Dies gilt auch für die ohne unsere Zustimmung erfolgte Weiterverbreitung. ALLE RECHTE VORBEHALTEN. Der Inhalt ist ohne Gewähr. Alle Informationen beruhen auf Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Sie dienen der aktuellen Information und journalistischen Veröffentlichung ohne letzte Verbindlichkeit; die Informationen stellen insbesondere keine individuelle Beratung oder Empfehlung dar und begründen keine Haftung. Die vergangene Entwicklung besprochener Finanzinstrumente ist nicht notwendigerweise maßgeblich für die künftige Performance. Risikohinweis: Alle Börsen- und Anlagegeschäfte sind grundsätzlich mit Risiken verbunden. Verluste (bis hin zum Totalverlust) können nicht ausgeschlossen werden. Der Leser sollte die von den Banken herausgegebene Informationsschrift „Basisinformationen über Wertpapiere und weitere Kapitalanlagen“ sorgfältig gelesen und verstanden haben. Weitere rechtliche Hinweise finden Sie auf unserer Internetseite www.bernecker.info unter RECHTLICHES > Impressum / AGB. Gewinn- und Dividendenschätzungen bei Aktien beruhen (außer bei anderslautender Kennzeichnung) auf Angaben von Bloomberg bzw. FactSet. Angaben zu der Aktien-Marktkapitalisierung deutscher Unternehmen basieren im Regelfall auf Angaben der FactSet Digital Solutions GmbH, Bloomberg oder eigenen Berechnungen. Kurs-Charts werden zum Großteil mit Unterstützung von stock3 erstellt (https://inside.stock3.com/events/bernecker) sowie von Tai-Pan (https://tai-pan.lp-software.de/bernecker). Layout-Bilder: Adobe Stock und Canva.