Sehr geehrter Aktionär!
Das Thema „Zölle“ wird medial intensiv diskutiert, besitzt für unsere strategische Ausrichtung jedoch eine eher untergeordnete Relevanz. Die tatsächlichen Auswirkungen zeichnen sich durch eine hohe geografische Heterogenität aus. Entlas-tungseffekte gibt es in Regionen wie Süd- und Mittelamerika, Kanada sowie weiten Teilen Asiens. Für die Europäische Union gehen wir von einer weitgehend neutralen Entwicklung aus. Im Gegensatz dazu zeichnen sich für Großbritannien tendenziell negative Vorzeichen ab - aber alles im Rahmen des Erträglichen.
Letztlich gehen wir davon aus, dass sich die Marktmechanismen nivellieren werden. Die anfänglichen Volatilitäten werden voraussichtlich durch gezielte Umdeklarierungen innerhalb der Zollsektionen kompensiert, sodass sich das globale Gefüge wieder einpendelt. Die spekulative Unsicherheit über einen möglichen Angriff der USA auf den Iran (oder dessen Ausbleiben) führt kurzfristig zu einem deutlichen Risikoaufschlag. Weit höher zu hängen aber ist:
Die Angst vor der KI-Disruption ist nicht mehr lustig und weicht zunehmend der Erkenntnis, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre etwas Gewaltiges geschehen wird. Ein kritischer Bericht von Citrini Research wirbelte nicht nur Staub auf, schockierte regelrecht und schickte Dienstleister wie DoorDash, American Express oder Blackstone auf Talfahrt. Die Ängste disruptiver Verdrängung durch KI-Agenten ganzer Geschäftsmodelle wiegt wesentlich schwerer als das Zollchaos und verfestigt sich mit fast wöchentlich neu gemeldeten KI-Fähigkeiten. So erwischte es jetzt auch IBM. Das Ganze ist kein Spaß mehr. Das Papier von Citrini ist ein fiktives, dystopisches „Macro Memo“, das aus der Sicht des Jahres 2028 auf die wirtschaftlichen Umwälzungen zwischen 2026 und 2028 zurückblickt. Wir geben wieder:
Die Autoren nennen es „Intelligenz-Verdrängungsspirale“, in der KI-Agenten menschliche Arbeit (insbesondere im White-Collar-Sektor - also die klassischen Bürojobs) so effizient ersetzen, dass das bisherige Wirtschaftsmodell zu wackeln beginnt. Versicherungen, Immobilienmakler und Finanzberater verlieren ihre Daseinsberechtigung, da KI-Agenten komplexe Gebührenstrukturen und Preisvergleiche in Millisekunden optimieren. Agenten umgehen Kreditkartengebühren und nutzen stattdessen billige Stablecoins, was Banken und Zahlungsdienstleister wie Mastercard und Amex massiv unter Druck setzt. Kredite für Software-Firmen (LBOs) fallen aus, da deren Geschäftsmodelle durch KI zerstört wurden. Der 13-Billionen-Dollar-Hypothekenmarkt gerät ins Wanken, weil die ehemals sicheren White-Collar-Kreditnehmer ihre Einkommensbasis verlieren. Kurzum: Über Jahrhunderte war menschliche Intelligenz ein knappes Gut und daher wertvoll. Der Text argumentiert, dass wir nun in eine Ära der Abundanz (Überfluss) an Intelligenz eintreten. Wenn Intelligenz kein knappes Gut mehr ist, sinkt ihr Preis (Lohn) gegen null. Darüber nachzudenken - nicht nur aus Investorensicht - ist existenziell. (VS)

