Davos war in diesem Jahr die seit langer Zeit interessanteste Begegnung von Politikern und Unternehmern beiderseits des Atlantiks und konstruktiv.
Das gab es seit 20 Jahren nicht mehr: Keine freundlichen Worte, sondern eine klare Sprache.
Donald Trump legte in einem Vortrag über eine Stunde und 10 Minuten ohne Manuskript dar, wie sich die Amerikaner die Welt denken. Mittelpunkt ist vorerst Grönland. Einen Tag später formulierte der Nachbar aus Kanada seine Sicht der Dinge und integrierte dabei ganz Europa in einem Bündel zusammen als strategischer Gegner. Er widersprach umfangreich. Das Ergebnis:
Es gibt eine neue Weltordnung. So die neue Metapher. Es geht um die politischen und ökonomischen Interessen und welche Rolle Europa dabei spielen möchte.
Trump bleibt Trump und wird in einigen Dingen zurückstecken und seine Politik umsetzen. Das Ergebnis entnehmen Sie der nebenstehenden Grafik. 4,4 % Wachstum sind unschlagbar. Die Chinesen müssten mit zweimal mehr Menschen gut 9 % zulegen, um die gleiche Wertschöpfung der Wirtschaft zu erreichen. An einen Vergleich mit Europa ist gar nicht zu denken. Damit können sich die Amerikaner vorerst so gut wie alles erlauben. Das schmeckt bitter, ist aber wahr.
Die Europäer versuchen mitzuspielen. Mit Kanada oder ohne lautet das Ergebnis: 27 Länder und deren Chefs können pausenlos Konferenzen abhalten, um etwas zu beschließen, was dann nur sehr mühsam oder gar nicht realisiert werden kann. Allein das Mithalten fällt schwer.
Machtkämpfe bringen gar nichts. Nur gekonnte Diplomatie in angemessener Sprache ist eine Brückenlösung. Dafür ist der Raum immer noch groß genug.
Mit freundlichen Grüßen
Hans A. Bernecker

