Sie lesen die Ausgabe: Bernecker Daily vom 06.07.2022

Nr. 187/22 Bernecker Daily

Bernecker Briefkopf
Actienboerse Briefkopf

2. Test!

Guten Morgen meine Damen und Herren,

der DAX testete gestern zum zweiten Mal das Jahrestief bis auf den Punkt genau. Erst New York holte ihn anschließend bis auf 12.560 aus dem Loch. Reicht das? Die Markttechnik ist entscheidender als die Stimmung. Aber auch: Selbst Öl und alle Metalle absolvierten eine ähnlich deutliche Korrektur gegenüber den Spitzennotierungen vor drei, vier Monaten. Das passt! Die verrücktesten Prognosen gehören dazu:

Eine Analystin von JPMORGAN orakelte vorgestern über Ölpreise von 380 $. Die größte Bank der Welt und ihr Chef hatten bereits vor 4 Wochen einen umfangreichen Hurrikan vorausgesagt. Schließlich: Der Euro hat nach seiner zweiten Notrettung seine Talfahrt aufgenommen. Die Gründe hatten wir ausführlich dargelegt. Das geht kontrolliert, aber nachhaltig. Gleiches gilt für die Relation zum Franken. 

Schließlich auch: Alle Militäraktien müssen nach ihren deutlichen Gewinnen rund die Hälfte wieder abgeben. In allen Fällen werden dabei die Gaps geschlossen. Für RHEINMETALL und HENSOLDT entsteht daraus der nächste Einstieg, aber mit einer etwas längeren Wartezeit. Neue Käufe werden zurückgestellt. 

Die Einkaufsliste ist in dieser Situation die beste Möglichkeit, diese Markttechnik optimal zu nutzen. Bis gestern ging die Einkaufsliste für den MDAX bis 99 % auf, die für den SDAX mit etwa 66 %. Alle Restlimits bleiben offen. So investiert man diszipliniert in einem Markt mit sehr unterschiedlichen Einflüssen, aber messbaren Größen. Mithin gilt: Ausverkaufskurse sind Kaufkurse! Aus der Firmenwelt:

UNIPER-Rettung nimmt Formen an.

Beim strauchelnden Gaskonzern ist eine Aktienbeteiligung des Bundes von bis zu 25 % im Gespräch. Der Bund könne die Papiere zu einem jeweiligen Nennwert von 1,70 € bei Uniper zeichnen, so informierte Kreise. Dies entspräche gut 150 Mio. €. Zudem sei eine stille Beteiligung des Bundes im Gespräch, die ein Volumen zwischen 3 und 5 Mrd. € haben soll. Der Konzern ist nur noch 3,7 Mrd. € wert. Das ist weniger als der Gegenwert des Erdgases in den Speichern. Wir raten dennoch von einem Einstieg ab. Die Risiken sind zu groß.


ECKERT & ZIEGLER kappt Gewinnziel.

Der Strahlen- und Medizintechnikkonzern sieht den Jahresüberschuss 2022 nun bei 27 Mio. € statt bisher 38,3 Mio. €. Das neue Gewinnziel wurde neben der sich eintrübenden Konjunktur auch mit einem Sondereffekt begründet. Die Wahrscheinlichkeit, in diesem Jahr noch außerordentliche Erträge im Volumen von 14,3 Mio. € aus einem Verkauf oder der Neubewertung von Entwicklungsprojekten erzielen zu können, läge bei mittlerweile weniger als 50 %. Daher hat man das Gewinnziel entsprechend angepasst. Das Umsatzziel blieb allerdings unverändert und an der rein operativen Gewinnperspektive hat sich im Grunde nichts geändert. Die Aktie büßte auf die Meldung dennoch rd. 18 % ein. Das 2022er-KGV beläuft sich nun auf 26, was nach wie vor kein Schnäppchenniveau ist. Langsam muss man den Fallen Angel aber auf die Watchlist nehmen.


GRENKE ist auf Kurs.

Der Leasinggeber von IT-Ausstattung für mittlere und kleine Unternehmen konnte sein Neugeschäft im zweiten Quartal um knapp die Hälfte auf gut 587 Mio. € steigern, womit man nun bereits das dritte aufeinanderfolgende Quartal wieder im Aufwind ist und das Pandemie-Loch langsam hinter sich lässt. Allerdings erkauft man das Wachstum mit einem erneuten Rückgang der Gewinnmargen. Mitverantwortlich sind die steigenden Zinsen, die jedoch mit Zeitverzug zumindest teilweise an den Markt weitergegeben werden können. Da die Zinsen im zweiten Quartal außergewöhnlich schnell gestiegen sind, hat das die Margen auch außerordentlich stark belastet. Dieser Effekt dürfte sich im laufenden dritten Quartal deutlich abschwächen oder sogar ganz ausbleiben. Somit wird der Margenrückgang nur ein vorübergehendes Phänomen sein. Weiteren Aufschluss werden die Halbjahreszahlen geben, die am 11. August zur Veröffentlichung anstehen. Mit einem KGV von unter 12 ist die Aktie mittlerweile vergleichsweise günstig. Eine erste kleine Position darf nun stehen, um zumindest einen Fuß in der Tür zu haben.

GOLDMAN SACHS haut auf PROSIEBENSAT.1 drauf.

Das Rating wurde von „Neutral“ auf „Sell“ abgestuft und das Kursziel von 12,50 auf 9 € gesenkt. Saloppe Begründung: Rezession voraus mit dem Kollaps der Werbeeinnahmen. Wir meinen: Das kommt zu spät. Seit Februar bereits minus 50 %, was das GOLDMAN-SACHS-Szenario einpreist. Grundsätzliches Ergebnispotenzial je Aktie 2023/2024 rd. 1,40 bis 1,50 € inklusive Übernahmefantasie. 

Das IPO des französischen SPOTIFY-Klons Deezer ist gefloppt.

Zu 8,50 € per Verschmelzung mit dem SPAC „I2PO“ an den Markt gekommen, ist der Kurs am gestrigen ersten Handelstag zeitweise auf unter 6 € zurückgerutscht. Das Ganze riecht ein bisschen nach einem Verzweiflungs-IPO; der Druck, die Aktien an den Markt zu bringen, war offenbar sehr hoch. Denn vor Jahren war bereits der Börsengang geplant, musste dann aber abgesagt werden. Und der Druck wird vorerst hoch bleiben, will man doch den Umsatz von derzeit rund 400 Mio. € bis 2025 auf 1 Mrd. € steigern, während man im gleichen Jahr auf EBITDA-Basis profitabel werden will. Helfen könnten hierbei u. a. die Kooperation mit RTL und die Einbindung des Deezer-Angebots in dessen Streaming-Angebot „RTL+“. Darauf zu spekulieren, dass das Ganze gut ausgeht, überlassen Sie aber bitte anderen Anlegern!


Enttäuschung bei GM mit den Zahlen zum zweiten Quartal?

Die Gewinnschätzungen für das zweite Quartal bei GM liegen vermutlich rd. 20 % zu hoch. BARCLAYS schätzt aufgrund von Lieferkettenproblemen, dass eine sechsstellige Zahl an Fahrzeugen nicht in den Verkauf gehen konnte. Der Newsflow hat das Zeug, den ohnehin schon absurden Bewertungsansatz noch weiter zu drücken. Aber: Lieferengpässe sind vorübergehend und GM ist technologisch hinsichtlich des autonomen Fahrens fast in der Poleposition. Das KGV strebt nun Richtung 4. Zukaufen in mehreren Schritten lautet die Devise.


CROCS:

Stark erholt. Der Anbieter der praktischen Kunststoff-Clogs hat sich gestern um 12,2 % verteuert. Die Aktie (Nasdaq-Kürzel CROX) war seit November von rund 184 auf bis zu 46,11 $ gefallen und notiert nun wieder bei knapp 54 $. Für neuen Antrieb sorgte eine Kaufempfehlung von Loop Capital mit Kursziel 75 $. Laut Analysten verkaufen sich die Schuhe weiterhin gut („healthy sell-through and normal discounting“). Die Bewertungsrelationen seien vernünftig und der Zukauf der Schuhmarke Hey Dude ermögliche weiteres Umsatzwachstum. Während der Pandemie zählte CROCS mit einem Sortiment typischer Haus- oder Gartenschuhe zu den großen Gewinnern. Der Abverkauf ging dann aber offenbar zu weit. Aktuell wird etwa ein KGV 5 auf Basis 2022 angezeigt. Ein Börsenwert von 3,3 Mrd. $ steht gegen erwartete 3,5 Mrd. $ Umsatz (inklusive Hey Dude) im laufenden Jahr. Zumindest eine Anfangsposition kann man sich auf aktuellem Niveau ins Depot legen.

Wir wünschen einen schönen Tag,

Hans A. Bernecker

Redaktionsteam: 
Helmut Gellermann, Markus Horntrich,
Oliver Kantimm, Volker Schulz

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