Sie lesen die Ausgabe: Die Aktie für Jedermann vom 27.04.2022

33_P/22 Die Aktie für Jedermann

Bernecker Briefkopf
Actienboerse Briefkopf

Machterhalt hier und da.


Der französische Präsident Emmanuel Macron hat sich durchgesetzt.

Somit bleibt die europäische Dynamik erhalten. Aber auch ein Energie-Embargo gegen Russland wird wahrscheinlicher. Dieses führt zu einem hohen Anpassungs-Stress in Europa. Für kurzfristigen Abwärtsdruck sorgen zurzeit die neuen Lockdowns in China ebenso wie die Aussicht auf Zinsschritte, die höher sind als zuvor angenommen. Jedoch: Die Energiepreise sinken schon wieder, was den Inflationsdruck mindert.

Erneut an der Macht: Howard Schultz. Beim Kaffee-Konzern Starbucks ist mit dem Rückkauf eigener 
Aktien zunächst einmal Schluss. Der langjährige Chef hat wieder den Platz an der Spitze eingenommen. Der Begriff „Interims-CEO“ passt dafür nicht: Schultz änderte sofort die finanzielle Gangart! Durch enorme Rückkaufprogramme war das Eigenkapital sogar ins Negative gedrückt worden. Eine solche, sehr aggressive Bilanzpolitik ist gerade in Zeiten wieder höherer Zinssätze zu riskant.

Außerdem zeigen Aktienrückkäufe an, dass dem Management wenig bis nichts mehr einfällt. Mit dem Ende der Rückkäufe signalisiert Schultz das Gegenteil: „Wir werden massiv neu investieren.“

Schultz‘ Ziel sind u. a. bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten. Damit will er auch verhindern, dass Gewerkschaften bei Starbucks stark werden. Der Konzern wird aber auch attraktiver, um freie Stellen besetzen zu können. Das größte Problem, die Verschlechterung der Aussichten in China, ist damit aber noch nicht gelöst. Findet Schultz ein Rezept, um den für 2022 erwarteten Gewinnrückgang um 9 % zu verhindern? Wir spekulieren: Ja! Unser Kauflimit für die 1. Hälfte lautet 71 $. 

Aktien:


Match Group als Übernahmeziel?

Die Aktie des Betreibers digitaler Kennenlern-Plattformen ist rein optisch so billig wie nie. Der Titel fiel in der allgemeinen Tech-Korrektur um bis zu 58 %: Von 182 $ Mitte Oktober bis 76,26 $ am Montag. Gestern folgte aber auch ein positives Kurssignal (+ 6,7 %). Dafür sorgte die Spekulation auf Übernahme: Jemand könnte (ähnlich wie im Fall Twitter/Musk) für Match Group bieten. Konkret:

Könnte Meta Platforms, der Betreiber von Facebook, WhatsApp und Instagram, zuschlagen? Hätte Twitter demnächst Interesse? Die Aktie der Match Group ist mit einem KGV 31 (auf Basis 2022) und 21 (auf Basis 2024) nicht billig. Spekulativ 1. Hälfte zu 77,10 $ kaufen.


Salzgitter zeigte starke vorläufige Zahlen zum Q1.

Der Umsatz wuchs auf 3,4 Mrd. € (+ 60 %) und auch das Ergebnis vor Steuern wurde gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 117 auf 465 Mio. € ausgebaut. Dies schaffte man dank guter Geschäfte in der Stahlerzeugung sowie im Handel und dank des höheren Anteils am Gewinn von Aurubis, der von 43 auf 62 Mio. € gestiegen ist. So wurden die Markterwartungen deutlich übertroffen. Der Konzern hob seine Jahresprognose für den Vorsteuergewinn auf 750 bis 900 Mio. € an (zuvor 600 bis 750 Mio. €). Analysten ließen sich von einem KGV um 4 nicht aus der Reserve locken. Bei uns wurde die Salzgitter-Aktie am 1. April zu 41,50 € gekauft und wird gehalten. 


Deere: Drei Tage im Minus.

Analysten der Bank of America sorgten gestern für weitere „Erdung“ der Deere-Aktionäre. Einfach indem sie das Kursziel von 475 auf 450 $ senkten. Im aktuellen Kurs seien schon viele gute Nachrichten enthalten. Der jüngste Bericht von Deere über die Ausstattung der Landwirte (Farm Equipment Survey) lasse zwar einen positiven Trend erkennen. Das entscheidende Detail sei aber: Noch vor sechs Monaten wollten 57 % der Händler ihre Bestellungen erhöhen, aktuell weniger als 40 %. Der Kurs preiste 30 $ Gewinn je Aktie ein, während Analysten für das Geschäftsjahr 2022/23 im Durchschnitt rund 24 $ je Aktie ansetzen. Der gestrige Tagesverlust betrug 4,5 %. Oberhalb von 392 $ klafft nun eine Kurslücke. Für uns bleibt Deere haltenswert, den Kauf des nächsten Drittels stellen wir noch zurück.

Farmland Partners: Inflationsschutz mit Agrarflächen.

Steigen die Verkaufs- und Pachtpreise landwirtschaftlicher Flächen, trägt das zur Verteuerung von Agrarprodukten bei. Der aktuelle Anstieg der Agrarpreise ist vor allem eine Kriegsfolge: Im osteuropäischen Krisengebiet liegen Vorkommen des Düngemittels Kali, außerdem fällt dort zurzeit der Anbau auf besten Böden aus. Die Verteuerung von Energie kommt als Faktor hinzu. Höhere Agrarpreise wiederum heizen die Nachfrage nach landwirtschaftlichen Flächen an.
 
Davon profitieren in den USA auch Farmland Partners Inc. „FPI“ ist als REIT (Real Estate Investment Trust) organisiert. Man konzentriert sich auf qualitativ hochwertiges Ackerland in den USA und Kanada. Flächen werden aufgekauft und verpachtet. Das Unternehmen besitzt zurzeit ca. 64.700 Hektar Farmland, das an mehr als 100 Farmer verpachtet wird. Hinzu kommt die Verwaltung von ca. 10.500 Hektar in Fremdeigentum. Auf 70 % der Flächen werden Mais, Sojabohnen, Weizen, Reis und Baumwolle angebaut. Auf dem Rest Mandeln, Zitrusfrüchte, Gemüse („Sonderkulturen“).

Wir erwarten, dass die Stärke der Agrarbranche einige Jahre andauern wird. Damit ist eine Steigerung der Bodenpreise um weitere 40 % wahrscheinlich. Werden Landflächen verkauft, sind die Käufer in 75 % der Fälle Landwirte. Der rein spekulative Anteil des Bodenbooms ist somit geringer als etwa im Immobilienmarkt. 

Farmland Partners erzielte 2021 51,8 Mio. $ Umsatz (+ 2,1 %). Das EBITDA ging um 17 % zurück. Für dieses und die nächsten Jahre erwartet das Management aber steigende Erlöse sowie deutliche Verbesserungen des Ergebnisses. Die Aktie von Farmland Partners hat sich seit Februar um bis zu 49 % verteuert, am 19. April wurde das Allzeithoch bei 16,43 $ markiert. Auch weiterhin rechnen wir mittelfristig mit einer Entwicklung parallel zu den Düngemittelaktien. Mit einem zwischenzeitlichen Rückgang ist in beiden Fällen (im Hinblick auf ein Kriegsende) zu rechnen. Wir gehen von einer anschließenden Trendfortsetzung aus und wählen das Kauflimit 13,60 $.

IMPRESSUM:

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