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Sie lesen die Ausgabe: Die Actien-Börse vom 03.03.2022

Nr. 09/22 Die Actien-Börse

Bernecker Briefkopf
Actienboerse Briefkopf

Sehr geehrte Damen und Herren,


die Blackbox 2022 bleibt der Maßstab.

Putin schaffte Fakten mit einem Angriffskrieg, den kaum jemand im Westen erwartet hatte. Damit ändern sich wesentliche Parameter in den ökonomischen Konsequenzen und den machtpolitischen Verhältnissen in Osteuropa und im Westen für die NATO. Der Datenkranz verändert sich zurzeit fast täglich. Für den Überblick:


Die militärischen Nachrichten prägen die Stimmung des Tages.

Das ist nicht zu ändern. Die mittelfristigen Aussichten sind besser zu überschauen und somit auch die entsprechenden Gefahren. Eine hohe Volatilität ist zu unterstellen. Die großen Investoren wie Fonds und Vermögensverwalter werden ihre Positionen reduzieren und keine neuen aufbauen. Vorbild sind die Umfragen der BANK OF AMERICA für die großen Fondsmanager, die wir vor 8 Tagen zitiert hatten. Das aktuelle Investmentklima ist deshalb in der Einschätzung offen.

Die geplanten Sanktionen des Westens haben nur begrenzte Wirkungen. Zwischen großen Ankündigungen und tatsächlichen Folgen gibt es erhebliche Unterschiede. Lediglich der Grundsatz bleibt: Mit Sanktionen gewinnt man keinen Krieg. Eher das Gegenteil: Die umfangreichen Umgehungen bestimmen für einzelne Sektoren und Unternehmen die möglichen neuen Ansätze für interessante Geschäfte. Autoritäre Staaten funktionieren anders als Demokratien mit vielfältigen Stimmen in den Medien, in der Politik und den tatsächlichen Entscheidungen in den Unternehmen.

Die deutsche Energiepolitik wird markant zu verändern sein.
Kein Land in Europa steht derart im Mittelpunkt seiner existenziellen Entscheidungen der Vergangenheit in Sachen Energie- und Klimapolitik und in vielen Fällen allein gegen alle anderen. Die bekannte Abhängigkeit von Russengas ist die Achillesferse sowohl für die deutsche politische Meinung im Inland wie die ökonomische Konsequenz für seine gesamte Wirtschaft nebst Export. Die Verlängerung der Laufzeiten für Kohle- und Atomkraft berühren die Existenz einer Partei, die seit 40 Jahren auf diesem Gebiet maßgeblich wirkte und demnächst vor ihrer Existenzfrage steht. Das wäre eine Zeitenwende.

Die geldpolitischen Entscheidungen treten ins zweite Glied.
Sämtliche bisherigen Absichten stehen auf dem Prüfstand. Als Nächstes ist die Fed am 16.03. dran und vorher oder anschließend die EZB. Der geplante Ausstieg aus der bisherigen Politik steht infrage. Doch eine andere brauchbare dynamische Richtung ist zurzeit nicht erkennbar. Darin liegt der letzte entscheidende Termin für alle Märkte beiderseits des Atlantiks.

Die 30-%-Korrektur bleibt ein Richtwert. Wir hatten ihn den Putin- und Zinsrabatt genannt. Die goldene Regel dafür klingt eher geschmacklos, entspricht aber allen Erfahrungen der Vergangenheit: Nach dem ersten Schuss steigen die Kurse. Die Vergleichsdaten haben wir genannt und wiederholen: Der Kuwait-Krieg, Irak-Krieg, schon wesentlich früher die Kuba-Krise 1962 und so auch jetzt Ukraine-Krise mit dem markanten Einbruch am 24.02.2022.

LEITLINIE:


Die deutsche Wirtschaft wird von der aktuellen Ukraine-Krise nebst Sanktionen nur begrenzt berührt.

Die umfangreichen Warnungen und Bedenken der Verbände gehören dazu. Russland ist für die deutsche Wirtschaft ein interessanter Partner, aber nur begrenzt wichtig. Abgesehen von den Lieferungen für Erdgas und Steinkohle mit den bekannten Anteilen von 52 bzw. 26 % des Jahresbedarfes lässt sich gut nachzeichnen:

Der deutsch-russische Handel hat sich in den vergangenen 10 Jahren erkennbar reduziert. Darin stecken einige der schon gültigen Sanktionen, die nun erweitert werden. Der Anteil aller Russengeschäfte deutscher Firmen erreicht ca. 12 bis 15 % der jährlichen Durchschnittszahlen. Die deutschen Unternehmen zogen sich in der Anzahl stärker zurück, während die Direktinvestitionen der schon etablierten Unternehmen in der gleichen Zeit deutlich zunahmen. Darin steckt die Umgehung der Sanktionen, wofür DAIMLER mit seinem Lkw-Werk in Moskau ein Paradefall ist.

Die wirtschaftlichen Verflechtungen sind für die Russen wichtiger als für die Deutschen, wenn der Sektor Erdgas ausgeklammert wird.

Kann der Ukraine-Konflikt die jüngsten Ansätze der deutschen Konjunkturerholung verhindern? Ifo gibt bekanntlich die Meinungen von über 7.000 befragten Firmenchefs wieder. Aktueller Meinungsstand dazu:


Lage, Klima und Erwartung zeigen unverkennbar den Ansatz zu einer ähnlichen Erholung wie vor gut einem Jahr.

Es fehlt nicht viel, um den Anschluss an die Daten von 2019 zu erreichen, die allgemein als Maßstab gelten.

Kriege und Konflikte haben leider den Ansatz einer Aktivierung der Wirtschaft, soweit sie nicht zerstört wird.
Diesen makabren Effekt formulierten wir schon auf Seite 1. Die nächsten Umfragen für ZEW und Einkaufsmanagerindex werden voraussichtlich die gleichen Indikatoren liefern. Der Zusammenhang zwischen Börse und Wirtschaft wird damit erneut greifbar im Gegensatz zum Stimmungsbild im Lande.

Alle Ergebnisse der zu Ende gehenden Berichtssaison bestätigen diesen Sachverhalt.
Sogar durchweg mit deutlich verbesserten Resultaten im letzten Jahr und besseren Perspektiven im laufenden Quartal. Daran orientieren sich die weitergehenden Kursziele.

Der DAX hält bis jetzt die Stellung in der bekannten Bandbreite 13.800/14.400.
Auf die Tagesnachrichten kommt es an, doch die zwei wichtigsten Eckwerte sind:

Der VDAX ist das Fieberthermometer der Nervosität. Werte um 39/42 waren bislang stets die oberen Spitzen, identisch mit den jeweiligen Tiefstwerten im DAX. Dieses Bild ergibt sich zur Stunde per Redaktionsschluss. Ergänzungen kommentieren wir im Bernecker-Daily. Es wäre jedoch der Endpunkt der Nervositäten.

Die hohen Umsätze von rd. 7 Mrd. € täglich im DAX sind schwieriger zu interpretieren. Statistische Erkenntnisse gibt es nicht, aber Mutmaßungen in Frankfurt: Ein größerer Teil beruht auf der Auflösung von ETF-Produkten. Diese sind rein rechtlich unabwendbar, wenn die Konditionen des Zertifikats dazu zwingen. Dahinter stehen mögliche größere Rückgaben der ETFs seitens der Kleinanleger. Darauf wird demnächst genau zu achten sein.

Für die kommende Woche: Die Stabilisierung der genannten Bandbreite ist zurzeit wichtiger als die Annahme einer deutlichen Rally als Entlastung oder Erholung. Noch nicht entschieden ist, wie die Fed am 16.03. mit ihren geldpolitischen Konsequenzen neue Akzente setzt. Die Barquote halten wir aufrecht.

SCHWERPUNKTE: RWE, E.ON


Erste Profiteure einer neuen Gewichtung in der deutschen Klimapolitik sind die drei großen Energiekonzerne RWE, E.ON und UNIPER.

Der Einstieg in den Ausstieg muss auf der Zeitachse gestreckt werden. Wahrscheinlich um einige Jahre, wenn nicht sogar 10 Jahre. Die bisherigen Schwerpunkte bleiben bestehen, aber die Altgeschäfte sind nötig, um die Brücke zur neuen Energiewelt zu schaffen.

RWE und E.ON notieren nicht ohne Grund knapp unter den bisherigen Rekordkursen, insbesondere RWE als größter mit den weitreichendsten Investitionsplänen für die erneuerbare Energieerzeugung. Einziger Verlierer war dagegen UNIPER mit der Kürzung der Dividende und Korrekturen in der Gaspolitik. Kursverlust 25 %.

Das Kursziel für RWE erhöhen wir erneut.
Nunmehr auf 48 € oder um 20 %. Dahinter steht ein aktiver Investor, der eine Position von 500.000 Aktien hält, gleich 20 Mio. € Marktwert, aber nur 0,7 % vom Gesamtwert. Wichtigster Meinungsträger bei RWE ist der einzige größere Aktionär, die Gemeinschaftsholding von Ruhr-Kommunen mit rd. 24 %. Das Problem für den neuen Chef Markus Krebber: Die Strategie in Richtung erneuerbare Energien bleibt bestehen. Aber der aktivistische Investor drängt auf die Ausgliederung von Braunkohle/Kohle und dem Rest-AKW in eine neue Gesellschaft, die gesondert an der Börse notieren soll und einen Ca.-Wert von 13 bis 14 Mrd. € repräsentiert. Dieser Wert setzt sich zusammen aus dem aktuellen noch bestehenden Kohlevermögen, den Ansprüchen von RWE für die Stilllegung beider Sektoren, wofür allein beim Braunkohleausstieg bislang 2,6 Mrd. € in Rede stehen, was sich voraussichtlich nicht halten lässt.

Die Überbrückungstechnik ist nur mit Gas zu erreichen. Das bedeutet Umrüstung von Kohle auf Gas bis zur anschließenden Produktion von Wasserstoff, um den Anschluss für die dauerhafte Stromversorgung in Deutschland zu erreichen. Das bedeutet: Im aktuellen RWE-Marktwert von 27 Mrd. € sind knapp die Hälfte als stille Reserve einzuordnen, woraus ein Endwert von ca. 40 Mrd. € entsteht. Um diese Bewertungslücke geht es.

Der E.ON-Hintergrund sieht völlig anders aus.
Der ebenfalls neue Chef Birnbaum erklärt die Verlängerung der Kernenergie für rechtlich unmöglich. Dem steht der tatsächliche Bedarf klar gegenüber. Als größter Energiehändler mit rd. 60 Mrd. € Umsatz ist E.ON demnächst in der Situation, mit erhöhten Mengen und Preisen deutlich höhere Margen zu erreichen. Diese Hochrechnungen erlauben die Gewinnverbesserungen von über 15 % p. a. Erkennbar an der bereits laufenden Gewinndynamik von 0,20 € je Aktie in 2019 und der aktuellen Gewinnschätzung von 0,84 € je Aktie in diesem Jahr. Das rechnerische Kursziel für E.ON steigt damit auf 37 €. Kaufbasis für den ersten Einstieg: 10 bis 11 €.

SCHWERPUNKTE: UNIPER


UNIPER ist die einzige Comeback-Spekulation dieser drei.

Der markante Einbruch von 42 auf rd. 25 € beruhte auf der Weigerung des Großaktionärs FORUM, eine Abfindung zu unterbreiten, nebst massiver Kürzung der Dividende. Ergänzend gibt es eine gedachte Abschreibung auf die Beteiligung von UNIPER an Nord Stream 2 im Volumen von über 1 Mrd. €. Dagegen steht:

UNIPER ist bekanntlich das ehemalige Kohlestromgeschäft von E.ON. Es ist teilweise umstritten, ob UNIPER in der Lage ist, sämtliche Kohlekraftwerke auf Gas umzustellen. Der dafür nötige Investitionsaufwand gilt finanztechnisch als gesichert und technologisch als unproblematisch. Die Qualität der alten Kohletechnik gilt aus ausreichend solide, um dies zu erreichen. Dann wäre UNIPER in der besten Ausgangslage unter den drei Genannten, die Lücke zwischen alter Stromtechnik und erneuerbarer Energie zu bewältigen. Ein klarer Kauf!

Im FOKUS: SIEMENS ENERGY


SIEMENS ENERGY erhält echten Rückenwind.

Das war auch nötig. Soweit erkennbar mit besonderem Hintergrund: Die Verlängerung der Laufzeiten für Kohlestrom und AKW gilt in Berlin als sicher. Offen ist lediglich die genaue zusätzliche Betriebsdauer.

SIEMENS ENERGY ist der einzige größere Technikkonzern, der die Nachrüstung rein technologisch bewältigen kann.
Genaue Volumina gibt es noch nicht, aber z. B.: Die Fortführung der AKW inklusive zwei oder drei weiterer vom Netz genommener AKW verlangt eine Nachrüstung in der Größenordnung von 2 Mrd. €. Auch Beträge bis 3 Mrd. € werden herumgereicht. SIEMENS ENERGY gehörte für den gesamten Aufbau der deutschen Energie zum wichtigsten Träger. Eine Hochrechnung aus München:

Für SIEMENS ENERGY inklusive GAMESA erweitert sich der Umsatzrahmen auf eine Sicht von zunächst 3 Jahren um 25 bis max. 30 %. Damit sind die Probleme bei GAMESA nicht beseitigt, aber der gesamte Kostenrahmen zum einen gegenüber dem Auftragsrahmen zum anderen ergibt ein Umsatzwachstum von über 25 % und eine sichere Grundlage für schwarze Zahlen. Der Kurs sprang am Montag um 9 % an und wir bleiben bei unserem alten Kursziel von zunächst 27/28 €. Die üblichen Bewertungen wie KGV und Ähnliches sind zurzeit nicht aussagefähig.


Die deutsche Energieszene ändert sich gravierend.

Das war unsere Botschaft am 05.02. Die Tabelle dazu bleibt gültig:

Entscheidend ist eine Person, nämlich der neue Chef der Netzagentur.
Seine Aufgabe lautet: Halbierung der Antragszeit der Genehmigungen für alle Windkraftprojekte onshore und offshore. Die bisherigen Laufzeiten von rd. 3 Jahren sollen also auf 18 Monate reduziert werden. Eine pure Aufgabe für Bürokraten.

Der Nachholbedarf aus diesen Umständen wird in Euro gerechnet bei 40 bis 45 Mrd. € angesiedelt.
Insbesondere die Genehmigungen für die sogenannten Schnelltrassen von der Nordsee nach Bayern sind der neuralgische Aufhänger. Ergebnis: Sämtliche bisherigen Schätzungen für Auftragseingang und rechenbare Umsätze sollen sich nach gleichen Quellen in 5 Jahren verdoppeln.

Im FOKUS: 2G ENERGY


2G ENERGY ist die Special Situation dazu.

2G ENERGY steht für Kraftwärmekopplung. 470 Mio. € Marktwert ist der Preis für einen Zielumsatz in diesem Jahr von 290/295 Mio. € und eine Gewinntendenz von 2,33 € je Aktie in 2019 über 2,84 € im letzten Jahr auf nun 3,30 € Aktie in diesem Jahr. Ein KGV von 27 ist anspruchsvoll, aber im genannten Rahmen der neuen Sichtweise eine tragbare Perspektive.

Die Korrektur des Kurses seit Jahresanfang erreichte nur 10 %. Wir gehen dennoch in Position. Der Markt ist relativ eng, deshalb limitieren. Was lässt sich auf eine Sicht von 18 Monaten annehmen? Ein Kurs von etwa 130/135 €.

NEBENWERTE: RHEINMETALL


Rüstung ist in Deutschland ein Nicht-Investment.

100 Mrd. € Nachrüstung im Zuge des Ukraine-Konflikts schaffen ein Wunder. Wir sind voll investiert und die Geduld hat sich gelohnt. Was lässt sich daraus entwickeln?

RHEINMETALL ist die schwerste Nummer für schwerstes Gerät aller Art.
Insbesondere die verschiedenen Panzerversionen nebst Zulieferung für Leopard. Deshalb steht RHEINMETALL nicht nur für die Bundeswehr, sondern für wesentliche Teile der NATO. Die Ziele der Nachrüstung liegen in den Größenordnungen von 40 - 45 Mrd. € für die nächsten 10 Jahre. Diese Frist wird deutlich verkürzt. Genaue Daten gibt es nicht. Die Kapazitäten von RHEINMETALL sind zu etwa 80 - 90 % ausgelastet und bedürfen einer wesentlichen Aufstockung für die neuen Ziele. Darauf ist die Mannschaft von CEO Papperger in Düsseldorf vorbereitet. Inwieweit die Autozulieferung beschleunigt ausgegliedert wird, um Freiräume zu schaffen, wird zurzeit intensiv diskutiert.

Marktwert von RHEINMETALL zurzeit 6,8 Mrd. € nach dem Kurssprung ab Montag von rd. 50 %. Eine glatte Verdoppelung in zwei Jahren ist eine relativ sichere Nummer, jedoch abhängig von den konkreten Aufträgen für Nachrüstung und Reparaturen. Düsseldorf erwartet einen ersten Überblick in etwa 2 Monaten.

NEBENWERTE: THYSSENKRUPP, HENSOLDT

Für THYSSENKRUPP sind die Aufträge für die Marinetechnik der Ansatz für ein eigenes Überlebenskonzept in Kiel. Sowohl für Überwasser- wie Unterwassertechnik.

Vorbehaltlich der Richtigkeit der in Berlin genannten Ziele geht es um Aufträge in der Größenordnung von 4 - 5 Mrd. € mit Laufzeiten von etwa 3 - 4 Jahren. Der Vorteil: Die Technik besteht, es sind keine neuen Entwicklungen nötig, lediglich die Kapazitäten müssen erweitert/angepasst werden. Dann erreicht die Marinetechnik eine Größenordnung von annualisiert über 4 Mrd. € p. a. im Umsatz und sichtbare schwarze Nullen. Ob damit die angedachten Kooperationen mit den Italienern noch greifen, ist fraglich. Die Gespräche mit den Franzosen waren bereits beendet. Eine Ausgliederung der Marinetechnik aus dem Konzern im Zuge eines Spin-offs mit anschließendem Börsengang ist vorerst eine Plangröße in Essen, gilt jedoch als machbar. Damit erreicht THYSSENKRUPP für ein weiteres bisheriges Schwachfeld eine Ertragssäule. Das Kursziel für THYSSENKRUPP bleibt bei 11 bis 12 €.

Die Kursexplosion von HENSOLDT geht etwas zu weit, aber: Der Chef persönlich umriss in einem ausführlichen Interview in der Börsen-Zeitung die technologischen Kompetenzen von HENSOLDT in den Bereichen Verteidigung, Sicherheit, Luft- und Raumfahrt. H. ist damit der wichtigste Ausrüster für die Bundeswehr. Die Auftragsentwicklung lässt sich vorerst nur schätzen. Als gesichert gilt ein Umsatz von 1,8 bis 1,85 Mrd. € in diesem Jahr laut aktuellen Aufträgen. Die Gewinnkalkulationen erreichen bis 1,20 € je Aktie nach 0,63 € im letzten Jahr und vorher roten Ergebnissen. Das ergab bislang ein KGV von 10 und damit weit unter Durchschnitt. Der Kurssprung am Montag war deshalb kein Luftsprung. Wir rechnen mit einer technischen Korrektur um vielleicht 10 bis 15 % und damit eine Kursbasis um 20 bis 22 €.

NEBENWERTE: VITESCO


Kleiner macht schneller.

VITESCO TECHNOLOGIES GROUP wurde als CONTINENTAL-Tochter ungeliebt eingeordnet. Der soeben vorgelegte Abschluss für das letzte Jahr belegt das Gegenteil. 9 Mrd. € Umsatz gelten in diesem Jahr als sicher. Der Gewinn wird mit 3,55 € je Aktie veranschlagt, wofür es keinen Vergleich gibt. Dennoch errechnet sich daraus auf der Kursebene um 35 € ein Marktwert von nur 1,5 Mrd. € für ein Abstauberlimit von 32/34 €. Das ist eine Wette wert.

Der wesentliche Teil der Ergebnisverbesserung liegt in den Kostensenkungen und den nicht mehr zu erbringenden Konzernbeiträgen an die frühere Mutter CONTI.
Dieser Spareffekt wirkt wie ein Dynamo.

EUROPA: WIENERBERGER


Das Chance-Risiko-Verhältnis für fast alle Firmen in den EU-Nachbarländern des Westens inkl. Schweiz sieht deutlich anders aus als für die deutsche Konkurrenz.

Die Tagesstimmung in diesen Ländern hängt natürlich ebenfalls von den Berichten aus Kiew ab. Einige bekannte Unternehmen stehen stellvertretend für diese Konstellation.

WIENERBERGER ist der größte Ziegelhersteller der Welt, konnte sich dennoch den Ängsten um die Nähe von Österreich zur Ukraine nicht ganz entziehen. Damit testet der Kurs seinen bisherigen Tiefststand. Günstiger geht es nicht. Inklusive der neuen Akquisitionen in den USA schafft WIENERBERGER in diesem Jahr wohl knapp 3,5 Mrd. € Umsatz mit sehr soliden Ergebnissen und deutlicher Entschuldung. Aktueller Marktwert nur noch 2,8 Mrd. € und mit einer Gewinnschätzung von 2,88 € je Aktie ergibt sich ein KGV unter 11.

Allein das Erholungspotenzial besteht zwischen 25 bis 40 %, je nachdem, wie sich die Nachrichten aus der Ukraine in den nächsten Wochen darstellen.
Ein Kauf!

EUROPA: GAPGEMINI


CAPGEMINI beeindruckt mit besten Ergebnissen als französischer IT-Konzern mit dem größten Teil seiner Geschäfte via Atlantik.

Mit dem Kauf des Ingenieurdienstleisters ALTRAN steigt der Umsatz in diesem Jahr auf 18 bis 19 Mrd. €. ALTRAN ist der größte Ingenieurdienstleister der Welt mit der Besonderheit, seine eigenen Arbeitsgruppen dem Kunden jeweils zeitweise zur Verfügung zu stellen. Dieses Konzept verspricht ein Wachstum von deutlich mehr als 20 % p. a. Allein in Deutschland stockt CAPGEMINI seine Mitarbeiterzahl in diesem Jahr um mehr als 2.800 auf. Die kürzliche Korrektur fiel deshalb bescheiden aus, wir waren investiert und empfehlen einen Erstaufbau der Position auf der Ebene 175/180 €. Das Kursziel per 2023 taxieren wir auf 240/250 €.

EUROPA: ERICSSON, NOKIA


Ein weiterer Weltmeister testet seine Tiefstkurse.

ERICSSON steckt in Problemen mit Korruptionen, sowohl extern gegenüber dem Markt wie intern in der eigenen Organisation. Marktwert aktuell rd. 23 Mrd. € (umgerechnet) für 23,4 Mrd. € Umsatz in diesem Jahr. Der Gewinn zeigt weniger Dynamik mit nur 0,70 € je Aktie nach
0,67 €.

ERICSSON ist die Nr. 1 in der Telekomausrüstung mit dem Schwerpunkt 5G und umfangreichen Interessen in östlichen Ländern. Wahrscheinlich auch in Russland. Eine Bestätigung gibt es nicht. Ob darin ein besonderes Risiko enthalten ist, bleibt offen. Kann der Kurs sich auf dem aktuellen Niveau von rd. 73,49 SEK stabilisieren? Als schwedisches Unternehmen genießt ERICSSON stets eine gewisse Neutralität. Das gilt sowohl für China wie Russland und teilweise Nahost. Vergleichbar der Rolle der Schweizer in ähnlichen Lagen. 70 bis 73 SEK sind damit ein glaubwürdiges Investment. Das Erholungspotenzial taxieren wir auf mindestens 30 %.

NOKIA gilt gemeinhin als Konkurrent, bewegt sich jedoch zurzeit nicht.
In NOKIA steckt ALCATEL, deren starke Marktposition von den Franzosen regelmäßig unterstützt wird. Wir setzen NOKIA deshalb auf die Watchlist. Sollte ERICSSON Verträge verlieren, wäre NOKIA die Alternative. Brauchbar ist ein Auffangkurs für NOKIA bei 4,40 €.

WALL STREET:


Was ist für die Amerikaner wichtiger, die Zinswende der Fed oder die geopolitischen Turbulenzen im sehr fernen Europa/Ukraine?

Die NATO ist für die Amerikaner seit 1948 der Verteidigungsring gegen Russland. Dieses Modell steht vor einer Neugestaltung, denn die alte Struktur der NATO lässt sich künftig in der alten Form nicht mehr aufrechterhalten. Mindestens muss die sogenannte Grundakte NATO/Russland neu verhandelt werden.

Alle drei Indizes überstanden den Russland-Schreck gelassen. Die Reaktionen fielen relativ bescheiden aus.

Der S&P 500 bildet den Mittelwert zwischen dem solideren Dow und dem deutlich heißeren Nasdaq. Als schwerster Index der Welt bildet er damit am besten ab, wie sich die Amerikaner selbst sehen. Die Berichtssaison ist gelaufen. Alle Korrekturen des Marktes auf die Ergebnisse sind eingepreist. Erkennbar ist aus den Berichten: Die Dividendenausschüttungen werden im Jahresverlauf steigen, aber die Ausschüttungsquoten dürften eher fallen. Das bedeutet, dass die Finanzpositionen der Unternehmen sehr komfortabel erscheinen. Das führt zu einer spannenden Ausgangslage, die es in dieser Form noch nie gab.

Der großen Bilanzsumme der Fed von über 8,6 Bio. $ stehen die fast ebenso hohen liquiden Mittel aller Firmen außerhalb der Finanzbranche gegenüber.


Die ungewöhnlichen Umstände der letzten zwei Jahre im Zuge der Pandemie nebst Lockdown und anderer Einschränkungen ließen diese Liquidität um geschätzt 2 bis 2,2 Bio. $ steigen.

Die Finanzreserven können entweder für große Investitionen verwendet werden oder führen zu umfangreichen Aktienrückkäufen bzw. Dividenden.

Diese Frage dürfte in den nächsten Monaten die zentrale Drehscheibe dafür werden, wie viel Liquidität in den Aktienmarkt hineinfließt oder umgekehrt abfließt.
Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür:

Mit dem Fed-Entscheid am 16.03. gibt es den ersten Hinweis dazu. Der Ukraine-Konflikt ist nur eine Randerscheinung. Die Übergangsphase wird dadurch bestimmt, wie zwischen diesen beiden Eckwerten auch die Wall Street einen Boden bildet, nachdem der Verlauf seit Jahresanfang bescheiden ausfiel.

WALL STREET: PAYPAL


Die ersten Techs sind offenbar gelandet.

Nach rund 66 % Kursverlust müsste es reichen. Der Erste dieser Gruppe ist PAYPAL, der es geschafft hat, von 340 $ auf knapp unter 90 $ zurückzurudern, obwohl die Geschäfte durchweg positiv laufen.

Der Zahlungsdienstleister bringt zurzeit nur noch 120 Mrd. $ Marktwert auf die Waage.
Der Umsatz wird mit 30 Mrd. $ angepeilt. Handicap: Der Gewinn wird in diesem Jahr nicht steigen, sondern bestenfalls bei 4,60 $ je Aktie stagnieren. Das war einer der wesentlichsten Gründe für den Absturz. Das aktuelle KGV stellt sich damit auf rd. 21/22 und nicht mehr über 33 wie vor drei Monaten. Wir investieren auf der Ebene 105/115 $. Für NETFLIX ergibt sich demnächst eine ähnliche Rechnung. Der greifen wir noch nicht vor, setzen aber NETFLIX auf die Watchlist.

WALL STREET: LOCKHEED MARTIN


In US-Rüstungsaktien zu investieren, macht keinen größeren Sinn.

LOCKHEED & Co. waren ab Montag in der gleichen Situation wie die deutsche Rüstung. Tagesgewinn im Durchschnitt 10 %.

LOCKHEED MARTIN ist der größte Rüstungskonzern mit Schwerpunkt Lufttechnik und einem Umsatz von rd. 66 Mrd. $ (BOEING bringt es mit seinem Rüstungsanteil auf ca. 32 Mrd. $). Marktwert dafür rd. 110 Mrd. $ und ein KGV von 14. Tatsächlich legt der LOCKHEED-Gewinn jährlich und durchschnittlich 15 % zu. Aber:

Mit dem Ukraine-Konflikt ergeben sich für die Rüstungsziele der Amerikaner keine wesentlichen neuen Erkenntnisse.
Für Nachrüstungen der NATO-Länder für Jagdflieger etc. reichen die Kapazitäten aus. Denn zur Rüstung in der hohen Qualität gehören lange Vorlaufzeiten für Entwicklung und Produktion und deren Finanzierung.
Nur wer unbedingt dabei sein will, kann mitfliegen.

WELTWEIT: Russenwertpapiere

Alle Russenwertpapiere (Aktien wie Anleihen) müssen in den Kühlschrank gelegt werden.

Der Handel ist vorerst offiziell ausgesetzt. Daraus entsteht folgende aktuelle Konstellation:

Der Wert aller Aktien und Anleihen bleibt gültig.
Das entspricht den Rechtsvorschriften aller Demokratien des Westens. Der Handel ist zunächst untersagt. Ob ein Freiverkehr entsteht, ist im Moment noch nicht klar erkennbar. Wahrscheinlich gibt es einen Freiverkehr unter Banken oder in einigen Exotenländern. Die dann entstehenden Kurse dürften jedoch erheblich unter vergleichbaren Kursen im offiziellen Handel liegen. Von Verkäufen raten wir daher ab. Das Gegenteil:

Verbilligungskäufe ziehen wir in Erwägung.
Das ist im Einzelnen noch zu prüfen. Die zurzeit gültigen Tax-Kurse sind nur eine lose Orientierung. Der Kühlschrank reicht also.

DISPOSITIONEN


DISPOSITIONEN

„Der Börsentrend 2022“ - Online-Seminar mit Hans A. Bernecker am 17.03.2022. Das Jahr begann als Blackbox, inzwischen knistert die Luft vor Spannung mit Themenfeldern wie dem Russland/Ukraine-Konflikt und - breiter gefasst - mit dem hegemonialen Gerangel in der Weltpolitik. Deutschland steht dabei an einem besonderen Scheideweg. Was machen die Notenbanken in einer so komplexen Ausgangslage? Nutzen Sie die langjährige Börsenerfahrung des Referenten, um den aktuellen Rahmen sinnvoll einzuordnen und Leitlinien für Ihr Depot zu definieren. Beachten Sie dazu bitte das beigefügte „Special“ im hinteren Teil dieser Ausgabe.
Die Harmonie, die sich unter den Wahrheiten befindet,
ist wie die Übereinstimmung in einem Gemälde.
(Immanuel Kant)
Herzlichst Ihr

(Hans A. Bernecker)          

Kurs-Charts werden zum Großteil mit Unterstützung von Tai-Pan erstellt. Infos: https://tai-pan.lp-software.de/bernecker

IMPRESSUM:   Verlag und Abo-Service: Hans A. Bernecker Börsenbriefe GmbH, Theodor-Heuss-Str. 1, 32760 Detmold, Tel.: 05231.983-140, Fax: 05231.983-146. Die Actien-Börse erscheint wöchentlich. Die Vervielfältigung und Weiterverbreitung ist nicht erlaubt. Kein Teil darf (auch nicht auszugsweise) ohne unsere ausdrückliche vorherige schriftliche Zustimmung auf elektronische oder sonstige Weise an Dritte übermittelt, vervielfältigt oder so gespeichert werden, dass Dritte auf sie zugreifen können. Jede im Bereich eines gewerblichen Unternehmens veranlasste (auch auszugsweise) Kopie, Übermittlung oder Zugänglichmachung für Dritte verpflichtet zum Schadensersatz. Dies gilt auch für die ohne unsere Zustimmung erfolgte Weiterverbreitung. ALLE RECHTE VORBEHALTEN. Der Inhalt ist ohne Gewähr. Alle Informationen beruhen auf Quellen, die wir als zuverlässig erachten. Deshalb dienen alle Hinweise der aktuellen Information ohne letzte Verbindlichkeit, begründen also kein Haftungsobligo. Weitere rechtliche Hinweise zu dieser Publikation finden Sie auf unserer Homepage www.bernecker.info unter „Kontakt“ und dort unter „Impressum“.

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